8. Die gleichzeitigen Völker in Ost-Europa und Asien. 187
Völkern können zum Beweise dafür dienen, dass ausser dem kriegeri-schen Geiste und der ungewöhnlichen Tapferkeit, Muth und moralischenBegeisterung die Bulgaren auch eine gute militärische Organisation desReiches wie des Heeres besitzen mussten, um solche Erfolge zu erzielen.Ein wesentliches Unglück für sie war es, dass die inneren Zwistigkeitenund Unruhen sie gerade zu der Zeit schwächten, als die Turko-Osmanenmit ihrer ersten vollen Kraft in das byzantinische Reich, Bulgarien undSerbien einbrachen und die beiden letzteren Reiche zerstörten.
IV. Türken.
§.68.Kriegsorganisation und Hoerwosen derselben.
Bereits früher (§§. 20 u. 35) wurde die ursprüngliche Kriegsorganisa-tion und das Heerwesen der Türken bis zum Ende des 13. Jahrh. undder Kreuzzüge geschildert. Hier soll, bevor deren Beschaffenheit in derersten Hälfte des 14. Jahrhunderts besprochen wird, noch kurz die Ge-schichte des allmählichen Entwicklungsganges des Reiches der Türken,ihrer Streitkräfte und ihrer Macht gegeben werden.
Unter der Herrschaft des berühmten Sultans der Turko-SeldschukenMohammed von Khowaresm, des Zeitgenossen und Gegners Dschin-gis-Khan's (s. §§.69 u. 70, Mongolen) lebte der türkische Emir Sulei-man-Schah, welcher nach Unterjochung seines Vaterlandes durch dieMongolen mit seinem ganzen Stamme (an 50,000 Seelen) nach Armenienübersiedelte. Nach Dschingis-Khan's Tode (1237) kehrte Sulei-man-Schah in seine Heimath zurück, ertrank aber unterwegs imEuphrat und sein Stamm zerstreute sich. Von seinen Söhnen gingen zweinach Khowaresm (heutigem Khiwa) zurück, die beiden andern, Dun darund Ertoghrul, suchten mit 400 Familien eine Zuflucht in dem Reichedes Turko-Seldschuken-Sultans Allah-Eddin (Aladdin), welcherals Lohn für die Mitwirkung in dem Kriege gegen die Mongolo-Tatarenihnen Land an der Grenze von Angora schenkte. Ertoghrul erobertedas von den Griechen eingenommene Schloss Karahissar und erhielt fürden Sieg über die verbündeten Griechen und Mongolo-Tataren von-Allah-Eddin am folgenden Tage den Grenzstrich bei Dorileum, wel-chem Ertoghrul den Namen Sultanieh-Oni gab. Diese Gegendwurde die Wiege des Türken-Reiches. Der älteste SohnErto-ghrul's, Osman (geb. 1258), machte sich durch kriegerischen Sinnund durch einen wichtigen Sieg über die Griechen bei derlnsel Lemnos im