8. Die gleichzeitigen Völker in Ost-Europa und Asien. 185
Belisar gerettet ward. Ungefähr zur selben Zeit unterwarfen die indie Donauländer eingefallenen Avaren mit den übrigen dort sesshaftenVölkern zugleich auch die Bulgaren. Aber in der ersten Hälfte des7. Jahrhunderts riss nach dem Tode des berühmten Avarenkhans Bajansich der Bolgarenfürst Chorvat von den Avaren los. Nach seinem Todetheilten, seinem letzten Willen entgegen, dessen 5 Söhne sich in dasLand, und einer von ihnen, Asparuch, überschritt von Osten her denDnjepr, unterwarf den slawischen Stamm der Anter und Hess sich in derheutigen Moldau nieder. Der griechische Kaiser Constantin Pogo-natus (663—684) wandte sich gegen ihn, wurde aber geschlagen. DieBulgaren verfolgten ihn über die Donau, drangen in das untere Mösienein, belegten die daselbst wohnenden Slawen mit einem Tribut (mit wel-chen sie aber nach und nach vollkommen zusammenschmolzen, selbstganz zu Slawen wurden) und gründeten, nachdem sie mit Constantingegen Zahlung eines jährlichen Tributes Frieden geschlossen, im J. 679das bulgarische Reich, welches sie die kleine Bolgarei nannten, zumUnterschiede von der grossen an der Wolga. Von nun an bildet dieganze Geschichte der Donau-Bolgaren bis zu ihrer Unterwerfung durchden türkischen Sultan Murad I. im J. 1339 eine ununterbrochene Reihevon bald erfolgreichen, bald unglücklichen Kriegen gegen das byzantinischeReich. Im J. 705 setzte der Bolgarenkönig Terbil (Trebelius) mitGewalt der Waffen Justinianll. wieder auf den Thron, wofür er vondemselben denTheil von Thracien südlich des Balkan (Zagorje) als Beloh-nung erhielt. Aber schon wenige Jahre später wäre das bulgarischeKönigreich fast von Constantin Kopronymos (741—775) zerstörtworden. Unter dem bulgarischen König Kruma (797—815) fielen dieBolgaren in Dacien und Dardanien (dem heutigen Ungarn und Serbien)ein und bemächtigten sich sogar Adrianopels. Im J. 860 nahm ihr KönigBogoris oder Boris von dem heiligen Cyrill und Method dasChristenthum griechischer Confession an und erhielt in der Taufe denNamen des damaligen griechischen Kaisers Michael. Hiermit zugleichverbreitete sich bei den Bolgaren die slawische Schrift. Dessenungeach-tet hörten die Bolgaren nicht auf, mit den Griechen Kriege zu führen, undeiner ihrer kriegerischsten Könige, Simeon (888—942,, bekämpfte, mitden Sarazenen verbunden, nicht allein die Griechen, sondern auch mitden Petschenegen und Serben verbündet die Chor waten und Ungarn.Unter Simeon's Nachfolger, Petrus, wurde die Bolgarei fast von demrussischen Fürsten Swjatoslaw I. erobert: der griechische KaiserJohann Tzimiskes wehrte Swjatoslaw ab, unterwarf aber selberdie Bolgarei (968). Nach Tzimiskes' Tode erlangte sie die Freiheitwieder, und ihr König Samuel (978—1014) führte zwei Jahre lang be-ständig Krieg mit dem Reiche, verheerte Thracien, Macedonien und