8. Die gleichzeitigen Völker in Ost-Europa und Asien. 183
und beliessen ihnen ihre eigenen Fürsten (HospodarenundWojewoden, beiden Wlachen herrschte nämlich das slawische Element vor). Diese Für-sten fingen an ihre Macht über die benachbarten Länder auszudehnen(das heutige Transsylvanien, Moldau und Bessarabien) und führten im9. und 10. Jahrhundert bald mit, bald ohne Erfolg Krieg mit den Petsche-negen, Kumanen, Ungarn, Poljaken und Griechen. Im J. 906 unter-warfen die Ungarn einen grossen Theil von Wlachien oder der Wal-lachei und nannten ihn das schwarze (d. h. unterworfene) Ungarn,beliessen demselben auch seine eigenen Fürsten. Einer derselben, Ra-duwoda (oder Wojewoda), der im J. 1241, bald nach der Verwüstung-Ungarns und der Wallachei durch die Mongolen, den Thron bestieg, istbesonders durch stine Thaten berühmt. Zu wiederholten Malen erhobensich die Wallachen gegen die Ungarn, von welchen sie um ihres abwei-chenden Glaubensbekenntnisses willen bedrückt wurden, und endlichrissen sie im J. 1310, zur Zeit der in Ungarn nach Wladislaw's Todeausgebrochenen Unruhen, sich gänzlich von Ungarn los und wählten denHerrscher von Fogarasch, R a d u - N e g r u oder N e g r u - W o d u (N e g r u-W ojewodu) oder Radula Tschernawo, zu ihrem König. ErzogAnsiedler aus dem heutigen Transsylvanien in die verheerte Wallachei,unterwarf das Krajowsche Banat (heutige kleine Wallachei) und gilt fin-den ersten Begründer des neuen wlachischen Reiches. Aber schon unterseinem Sohne Wlaika wurde die Wallachei von Neuem gezwungen, dieOberhoheit Ungarns anzuerkennen, unter welcher sie dann trotz mehr-facher Empörungen bis zum J. 1391 verblieb, wo der türkische SultanBajezid oder Bajazet I. in Ungarn einfiel und auch von der WallacheiTribut erhob.
Die übrigen das alte Dacien bildenden Länder, besonders die heu-tige Moldau und Bessarabien, theilten das Schicksal der Wallachei.Im J. 1049 nahmen sie das Christenthum der östlichen Kirche an undbildeten, von den Kumanen oder Polowzern unterworfen, unter der Be-nennung Klein-Kumanien, einen Theil des kumanischen oder polow-zischen Königreichs. Als dies durch die Mongolen zerstört wurde, flohendie Ueberbleibsel der Kumanen theils nach Ungarn, zum Theil zogen siemit den Mongolen nomadisirend und das Land ausplündernd umher; inden Städten lebten Griechen und Italiener, in den Wäldern verbargensich Petschenegen und Wallachen, in den Bergen Nachkommen derDatier und Bolgaren. Endlich, um die Mitte des 14. Jahrhunderts,siedelte sich in der heutigen Moldau der wlachische Bojar Bold an ausMarmarosch mit einer kleinen Colonie an. Er und sein Sohn Dra-gus ch breiteten ihre Macht allmählich über das ganze Land aus, nanntenes nach dem Flusse Moldau, befreiten es von der ungarischen Lehns-