8. Die gleichzeitigen "Völker in Ost-Europa und Asien. 177
§. 63.Petsehenegen.
Die Petschenegen (bei byzantinischen Schriftstellern Pazinaken, Pe-zinaken, bei abendländischen Pizenati, Picenaci, Pezinegii u. s. w.)waren ebenfalls ein Volk türkischer Abstammung, das aus Asien vonjenseits des Ural zum untern Jaik und Wolga gekommen war und danndas Land Lebedija (nach dem Gebirgsfluss Lebed so genannt) einge-nommen hatte, — wie man glaubt, im heutigen Gouvernement Charkow,welches das Stammland der den Chazaren seit dem Ende des 7. Jahr-hunderts unterworfenen schwarzen Ugrierwar. Von hier aus brei-teten sie sich in dem letzten Viertel des 9. Jahrhunderts über die ganzeNordküste des schwarzen und asowschen Meeres bis zur unteren Donau,oberen Prut, Sula und Rosa aus und nahmen auch ganz Taurien ein.
Sie zerfielen in 13 Stämme und 8 Bezirke unter der Herrschaft erb-licher Fürsten. Im Kriege gehorchten sie einem obersten Führer undzeichneten sich durch Geschicklichkeit bei ihren Raubzügen aus. IhreHauptwaffen waren Pfeile und Wurfspiesse. ihre Haupt-Truppengattungeine ausgezeichnete leichte Reiterei. Geschickt durchschwammen sie dieFlüsse auf ihren kleinen Kähnen aus Fellen, indem sie sich an denSchweifen ihrer Pferde festhielten.
Mit dem Beginn des 10. Jahrh. treten sie in Beziehungen zu den benach-barten russischen Reichen, bald friedliche, bald und vorzugsweise feind-liche, bald als Söldner in russische Dienste eintretend, bald in grausamerWeise in das südliche Russland verheerend eindringend, bald selbst schwereNiederlagen erleidend, bald solche den russischen Heeren beibringend.Hiervon unabhängig führten sie eben solche Züge gegen das byzantinischeReich aus, das sie furchtbar verheerten und aussogen. Um die Mitte des12. Jahrh. entbrannten heftige innere Kriege zwischen den Stämmen aufder einen und der anderen Seite der Donau, an welchen auch die Griechentheilnahmen. Demnächst lagen die Petschenegen mit dem byzantinischenReiche in fortwährendem Kriege und wurden endlich durch den KaiserAlexiusKomnenus (1081—1118)überwunden, weicherden Gefange-nen Ländereien in der Moglensker Provinz gab und eine Druschine ausihnen bildete, welche unter dem Namen derMoglenskischenPazi-nagen bekannt wurden. Trotzdem hörten die Kriege der Petschenegengegen die Griechen nach Alexius Komnenus nicht auf, ebensowie die mit den Bulgaren und den Kreuzfahrern zur Zeit der Kreuzzüge,und die Petschenegen waren abwechselnd die Sieger oder die Besiegten,verwüsteten und raubten das Land aus, und halfen bald den Bolgaren,bald den Griechen. Inzwischen waren schon seit 1103 die nördlichen
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 1. 12