176 II. Vom Tode KaiTs d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
Nordgrenze des heutigen Schirwan gegen sie durch einen grossen Erdwallsicherte und sein Sohn Chosroes sogar eine Steinmauer (die kauka-sische) aufführte. Seit dem 7. Jahrhundert traten die Ghazaren inBeziehungen zu dem byzantinischen Reiche, bald feindlicher, bald freund-licher Natur, indem sie ihnen in den Kriegen gegen die Ugrier, Donau-ßolgaren und Perser (mit den Letzteren namentlich unter Kaiser Hera-clius) Beistand leisteten. In dieser Zeit unterwarfen sie alles Landnördlich des schwarzen und asowschen Meeres bis zur Wolga und dietaurische Halbinsel und führten 70 Jahre lang Kriege mit dem arabischenKhalifat, in welchen sie aber nur Niederlagen erlitten. Dafür aberwuchsihre Macht im Norden und zu Anfang des 9. Jahrhunderts unterwarfensie sich die Dnjepr- und andere slawische Stämme: Poljanen, Sjever-janen, Rodimitschen und Wjatitschen, und legten ihnen Tribut auf. Baldjedoch, von Osten her durch die Petschenegen gedrängt (s. u.), waren siegezwungen, Vertheidigungsmassregeln gegen diese zu ergreifen, und er-bauten mit Hülfe der byzantinischen Griechen am Don die befestigteStadt Sarkel (in unsern Chronisten — Bjelaja Wjäscha, d. h. der weisseThurm). Aber die Einfälle der Petschenegen und die gleichzeitige Erstar-kung der russischen Fürsten, welche erfolgreiche Züge gegen die Chaza-ren ausführten, machten endlich dem Reiche dieser Letzteren ein Ende,an deren Stelle die Petschenegen traten.
Die Chazaren waren, gleich den Bulgaren, ein halb sesshaftes, halbnomadisirendes Volk, das im Winter in Städten und Dörfern, und imSommer mit den Heerden auf den Weideplätzen lebte. Ihre Hauptstadthiess Itil (nahe dem heutigen Astrachan) und lag an beiden Wolga-Ufernund auf einer Insel im Strome. Hier lebte ihr Khan (Kagan) oder König,welcher die höchste religiöse Gewalt besass, es regierte aber seih Statt-halter (Pech oder Beg). Ursprünglich waren die Chazaren Götzendiener,im 8. Jahrhundert nahmen sie die jüdischen Satzungen an und wurden858 zum orientalisch rechtgläubigen Christenthum bekehrt (durch diePredigt des heiligen Cyrill und Methodius).
. Ihr Heer bestand zum Theil aus mohammedanischen Söldnern,welche Lar ssie'i hiessen, zum Theil aus den eigenen Volkscontingenten.Die Vermögenden waren verpflichtet, so viele berittene Krieger aufzu-stellen , wie ihrem Vermögen und dem Ertrage ihrer Beschäftigung ent-sprach. Der Pech oder Beg befehligte das Heer, der Kagan vertheiltedie Kriegsbeute und verfügte über die Naturalabgaben. Das Kriegswesender Chazaren war dasselbe, wie das allen asiatischen zu Pferde kämpfen-den Völkern gemeinschaftliche.