8. Die gleichzeitigen Völker in Ost-Europa und Asien. 175
grossen Theil des Volkes zur mohammedanischen Religion über underkannte die Oberhoheit der Khalifen von Bagdad über sich an. Mitihren Nachbarn, besonders den Russen, lagen sie in fast unaufhörlichemKriege mit wechselndem Erfolge. Bald fielen sie in russisches, bald dierussischen Fürsten in bolgarisches Gebiet ein und machten daselbst Er-oberungen, bis dann die Einfälle der Mongolen kamen. Bei seinem erstenEinfalle in Russland verheerte und unterwarf der mongolische FeldherrSubutai im J. 1236 die Bolgarei, welche von nun an einen Theil deskiptschakskiscken Reiches bildete, und die Bulgaren verschmolzen mehrund mehr mit den Eroberern, so dass sie schliesslich sogar ihren ursprüng-lichen Volksnamen verloren. Bis zur Gründung von Sarai oder Achtubascheint die Stadt Bolgar die Residenz der Mongolen-Khane von der Gol-denen Horde gewesen zu sein, im Sommer wenigstens hausten sie noma-disirend in deren Umgegend. Nach der Gründung von Sarai wurde dieStadt Bolgar von den Statthaltern der Khane verwaltet und ging in denBürgerkriegen innerhalb der Horde unter den verschiedenen mongolischenFürsten aus einer Hand in die andere. Unterdessen erlosch die Feind-schaft gegen die Russen nicht, und besonders die Nowgoroder plündertenund verheerten häufig das bulgarische Gebiet, im J. 1365 sogar die StadtBolgar selbst.
Hinsichtlich der öffentlichen und militärischen Organisation der Bul-garen ist zu sagen, dass sie , nach dem Zeugniss der arabischen Schrift-steller, sich mit Ackerbau und hauptsächlich mit Handel beschäftigten, aberauch den Krieg mit den Nachbarn zu führen verstanden, sowohl zu Er-oberungszwecken , als hauptsächlich um zu plündern , Beute und Gefan-gene zu machen. Sie kämpften vorzugsweise zu Pferde, hatten geschmie-dete Waffen, trugen Panzerhemden u. s. w. Im Uebrigen trug dasKriegswesen bei ihnen denselben Charakter, wie bei allen gleichzeitigenasiatischen Völkern, und seit der Unterwerfung Bulgariens durch die Mon-golen denselben wie bei diesen Letzteren (s. u.).
§.62.Chazaren. ,
Die Chazaren, von der Mehrzahl der Forscher zum Türkenstammegezählt, sind in der Geschichte schon im 2. Jahrhundert n. Chr. bekannt,als sie zwischen dem kaspischen und schwarzen Meere wohnten undKriege gegen Armenien führten. Im 4. Jahrhundert wurden sie von denHunnen bei deren Einfall in Europa unterworfen. Nach dem Untergangedes Hunnenreiches im 5. Jahrhundert wurden die Chazaren ein erobern-des Volk, so dass der persische König Kobad im 6. Jahrhundert die