Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
Entstehung
Seite
166
Einzelbild herunterladen
 

166 II. Vom Tode Karls cl. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

militärische Rangordnung wenig complicirt und ausgedehnt, aber engverknüpft mit der des Adels und des Staates, und daher keine fest be-grenzte war. Es ist ungewiss, ob die Heere irgend welche beständige undbestimmte Eintheilung hatten. So viel aus den Chroniken ersichtlich,hiess die Vereinigung von Kriegern einer Provinz oder einer Stadt imAllgemeinen Drusch ine, die Verbindung mehrerer Druschinen Ratj(Heer), bisweilen'auch Pol k (Regiment). Druschinen, Ratji und Polkiführten den Namen ihrer Provinzen oder Städte.

Unter den ersten russischen Fürsten empfingen die fürstlichen Dru-schinen von ihren Fürsten den vollen Unterhalt, d. h. Kleidung, Waffen,Pferde und Lebensmittel. Die Mittel des Unterhalts sowohl der fürstlichenDruschinen, wie der Fürsten selbst wurden von den unterworfenen oderzugehörigen Stämmen durch Abgaben aufgebracht, oder dem Feinde alsKriegsbeute abgenommen : das Eine wie das Andre theilten die Fürstenmit ihren Druschinen. In der Folgezeit mussten die Heere mit ihreneigenen Lebensmitteln zu Felde ziehen , im Kriege aber allein für sichsorgen, wodurch dann, wie überall zu dieser Zeit, der Krieg mit Plünde-rung und Verwüstung des Landes verbunden war, und nicht selten littendie Truppen Mangel und Hunger und in den Kriegsoperationen tratenVerzögerungen und Misserfolge ein. Sold oder ausbedungene Bezahlungerhielten, wie es scheint, nur die gemietheten fremden Druschinen. Bis-weilen aber vertheilten , statt des Soldes oder in Form von Belohnungenund Auszeichnungen für Verdienste, die Fürsten Landantheile und Grund-besitz unter der Bedingung der Ableistung von Kriegsdiensten, ohne dassdafür jedoch irgend welche fest bestimmte Regel bestand. So z. B. wur-den die Chazaren, Torki, Berendjäjer u. A., wie oben bemerkt, an denGrenzen der Fürstenthümer Tmutarakan, Perejaslawl, Kijew und Tscher-nigow angesiedelt mit der Verpflichtung, diese Grenzen zu schützen.

Die Kriegsbagage und -Fahrzeuge waren, wie es scheint, ziemlichzahlreich, besonders seit der Unterwerfung Russlands durch die Mongo-len, als die Fürsten und obersten Heerführer sich mit asiatischem Luxuszu umgeben begannen und im Feldzuge eine grosse Zahl von Dienern,Hand- und Lastpferden und Fahrzeugen zum Transport der Maschinen,Vorräthe, Zelte u. s. w. mit sich führten. Die ersten russischen Fürsten,welche mit ihren Druschinen fortwährend Züge ausser Landes unternah-men, um Tribute einzuholen, wurden von ungeheueren Bagagen belästigt,welche auf den Flüssen fuhren. Darum zeichnete Swjatoslaw, der" sich nicht damit belastete, sich durch die aussergewöhnliche Schnellig-keit seiner Märsche aus (gleich einem Panther springend, wiedie Chronisten sagten).

Es ist gleichfalls unsicher, ob die militärische Ordnung bei denTruppen durch besondere Gesetze geschützt war. Wahrscheinlich ist es