7. Slawen und slawische Reiche. 163
§.56.Aufstellung und Kampfart der Truppen.
Unter den ersten russischen Fürsten trug die Aufstellung und Karnpf-ärt der Truppen denselben Charakter, wie bei den Normannen. DieKrieger kämpften zu Fuss, in langer und tiefer Formation, oft in Keil-form (oder wie man damals sagte — Stacheligel), mehr der Hand-waffe sich bedienend (Schwert und Lanze), als der Fernwaffen (Bogenund Pfeil), in geschlossener oder zerstreuter Ordnung). Das ganze Heerwurde bereits in das Centrum und zwei Flügel getheilt: im Centrumstanden stets die fürstlichen Druschinen und die Warjager. Vor Beginndes Kampfes wurde ein allgemeines lautes Schlachtgeschrei erhoben,dann eröffnete der Fürst selber mit seiner Druschine den Kampf, indemer zum Handgemenge schritt; hinter ihm her stürzten sich die übrigenKrieger, führten den ersten Anprall mit der Lanze aus und griffen dannzu den Schwertern (bei den Chronisten: «erbittert hieben sie mitden Schwertern aufeinander ein, indem sie sich an denHänden packten). Den Sieg entschied die Ueberlegenheit der An-zahl , Körperkraft, Geschicklichkeit in Handhabung der Waffen, undbesonders Muth und Tapferkeit. Nicht selten wurden Kriegslisten an-gewendet, Hinterhalte gelegt u. s. w. Beiden Zügen auf Flüssen etc.zogen die Truppen oft ihre Schiffe ans Ufer und führten sie (auf Trag-bahren oder Walzen und dgl.) mit sich, einmal sogar, in dem Zuge nachConstantinopel, fuhren sie (wenn man den alten Chronisten glauben darf)auf ihren Kähnen- mittelst Bollen und vor dem Winde die Segel aus-spannend über eine Landstrecke'). Beliebte Hafenplätze bei diesenZügen zu Wasser waren die Inseln, wo länger dauernde Lager einge-richtet wurden.
Während der feriode der Theilfürsten hatten die Russen in Auf-stellung und Kampfart noch viel von den benachbarten Völkern türki-scher Abstämmling angenommen, und ebenso von den Ungarn. DieKrieger fochten sowohl zu 'Fuss wie zu Pferde in geschlossener wie inzerstreuter Aufstellung, mit Nahwaffen wie mit Fernwaffen, namentlichlebhaft Pfeile vom Bogen entsendend, mit der Zeit aber griffen sie mehrund mehr, dem Beispiele der asiatischen Völker nachahmend, zum Kam-pfe mit der Lanze, dem Säbel und dem Bogen vom Pferde herab.
Von dem Zeitpunkt der Unterwerfung Russlands durch die Mongo-len an nahmen die Aufstellung und Kampfart der Russen einen fastvollkommen mongolischen oder asiatischen Charakter an. Die Truppenkämpften fast ausschliesslich zu Pferde, schössen ihre Pfeile ab, bald in
*) Vergl. Gibbon, Gesch. des Untergangs des röm. Reiches. A. d. Uebers.
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