102 II. Vom Tode Karls d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
men reicher, complicirter und besser. Die schweren Waffen und Rüstun-gen wurden in den fürstlichen Waffenmagazinen aufbewahrt und vor demAusrücken in die Campagne an die Krieger der fürstlichen Druschine,später an die Adligen und die Bojarenkinder ausgetheilt, oder sie wurdenauf den Sammelplatz geschafft, auch wohl zur Erleichterung der Kriegerdiesen bis zum Zusammentreffen mit dem Feinde auf Wagen nachgefah-ren, oder zu Schiffe auf den Flüssen fortgeschafft. Nach Beendigung desFeldzuges wurden sie wieder abgenommen und in den Arsenalen nieder-gelegt. Bis zur Mongolenzeit gaben die Fürsten und Bojaren ausser denWaffen auch die Pferde aus ihren eigenen Heerden. Unten den Mongolenaber, wo die Anzahl der Heiter bedeutend gewachsen, waren die Bauernzur Lieferung der Pferde für dieselben verpflichtet, oder Jeder, der in derFeldtruppe zu Pferde diente, musste sich selbst mit einem Pferde ver-sehen ; wenn er aber nicht die Mittel dazu besass, so wurde er zumstädtischen Dienste (zu Fusse- eingeschrieben.
Die russischen Truppen hatten seit der ältesten Zeit Banner (Feld-zeichen) und Kriegsmusik. Bis zur Einführung des christlichen Glaubensbestanden die Feldzeichen aus rohen Figuren heidnischer Gottheiten auflangen Schäften (Stangen), sie wurden eben so heilig gehalten und ge-nossen desselben Ansehens wie diese Götzen selber, in deren Tempelnsie auch während des Friedens aufbewahrt wurden. Mitunter wurden anStelle dieser Figuren auch solche von irgend welchen wilden Thieren,Ungeheuern u. s. w. auf Schäften getragen. Nach der Einführung desChristenthums bestanden die Feldzeichen in grossen an Stangen getra-genen Fahnen mit Bildern des Erlösers, der Mutter Gottes oder derHeiligen, und diese wurden noch höher in Ehren gehalten, als die frühe-ren heidnischen. Die Truppen stellten sich auf und kämpften gewöhnlichrund um ihre Feldzeichen (daher »das Banner aufpflanzen« so viel be-deutet, als »sich zum Kampfe formiren oder anschicken«), und ohne die-selben zogen sie zu keinem Feldzuge aus, begannen sie keinen Kampf.—Soviel man weiss, hatte jede Druschine und jeder Heerhäufen ein grossesHauptbanner und mehrere kleinere Feldzeichen. Im 14. Jahrhundert wirdder grossfürstlichen Banner Erwähnung gethan, welche sich imKampfe in der Mitte des Heeres befanden, unter dem Schutze derAdligen.
Musik ward aus Hörnern, Trompeten, Schellentrommeln oder Hand-pauken (einer Art kleiner Pauke, welche mit einem Schlägel mit ledernemKnopfe oder Kugel geschlagen wurde; und Schalmeien (Rohrpfeifen)gebildet. Das Heer formirte sich zum Kampfe und begann denselbengewöhnlich bei dem Klange dieser Kriegsmusikinstrumente.