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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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'. Slawen und slawische Reiche. 161

herabhingen, und grossen, oft den ganzen Körper deckenden, hölzernen,aussen roth gefärbten Schilden. Bei der Vertheidigung von Städten wur-den auch Steine geschleudert (wahrscheinlich mittelst Schleudern). Inder Periode der Theilfiirsten entlehnten die Russen hinsichtlich der Be-waffnung viel von den südlichen Nachbarn türkischen Stammes, so u. a.die krummen Säbel und die Dolche, welche nun die beständige Waffejedes berittenen Kriegers wurden, während die grossen geraden Schwer-ter vorzugsweise die Waffe des Fussvolks waren, und Lanze, Pfeil undBogen beiden Truppengattungen gleichmässig verblieb. Aber ein Theildes Fussvolks war ausschliesslich für den Kampf mit Lanze und Schwertim Handgemenge bestimmt, die Andern schössen ihre Pfeile aus derFerne ab. Daher theilte sich das Fussvolk in Lanzenkämpfer (Pi-keniere) und Bogenschützen.

Unter der mongolischen Herrschaft wurde die frühere Bewaffnungin einigen Theilen beibehalten, die asiatische aber erlangte das entschie-dene Uebergewicht und wurde die hauptsächlichste und auszeichnende.Da die Russen die Erfolge der Mongolen auf die Organisation, Bewaff-nung und Kampfart derselben zurückführten, so suchten sie diesen nach-zuahmen. Die Folge davon war, dass die Bewaffnung der russischenKrieger nach und nach eine fast mongolische wurde , oder wenigstensgrosse Aehnlichkeit damit erhielt und diesen Charakter lange bewahrte,unter einiger Einwirkung der im Norden und Westen angrenzendenSchweden, liefländischen Ritter (Deutsch-Ritter in Liefland), Polen undUngarn. Im allgemeinen bestanden in der ersten Hälfte der mongolischenPeriode die Angriffswaffen zum Theil aus Fernwaffen: grossen undkleinen Bogen (Saadak und Armbrust) und hauptsächlich aus Nahwaffen:Keulen (Oslöp), Schwertern, gerade und ein- oder zweischneidig, krum-men Säbeln, Messern, Dolchen, Lanzen, langen oder kurzen (Siüiz, Drot,Wurfspiess), Beilen und Aexten. Die Armbrüste schössen grosse Pfeile,bisweilen auch Steine. Sie wurden lediglich bei der Vertheidigung vonStädten verwendet. Die Schutzwaffen bestanden aus einer Brünne oderRüstung, Schuppen- oder Ringpanzer von Erz, welche Rumpf, Arme undFüsse bedeckten, aus einem Helm von Eisen oder Kupfer mit herabzu-lassendem Panzernetze, und aus einem flachen oder gewölbten, meisten-theils runden Schilde.

Ueberhaupt war in der ganzen Zeit von der Einwanderung der erstenFürsten bis zu den Mongolen -die Bewaffnung der russischen Truppeneine ziemlich einfache, nicht complicirte und wenig belästigende. Schwert,Lanze, Bogen und Pfeile und Schild bildeten ihre allgemeinen Haupt-formen. In der Ausrüstung der Krieger herrschte grosse Verschiedenheit;jeder rüstete sich selber aus, womit und so gut er konnte : die gemeinenSoldaten armseliger, einfacher und schlechter, die Reichen und Vorneh-

Gralitzin, AHgem. Kriegsgeschichte II. 1. 11