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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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160 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

§.55.Truppengattungen, Bewaffnung, Anzahl.

Bis zur Mongolenzeit bildete das Fussvolk die Haupttruppengattung.Unter den ersten russischen -Fürsten hatten die Krieger stets zu Fussegedient und gekämpft, aber die Fürsten selbst, die Druschinins, die Pa-ladine, Wojewoden, Bojaren, die vornehmen und reichen Leute zu Pferde.Im J. 971, während des Zuges Swjatoslaw's in Donau-Bulgarien, beider Belagerung von Dorostol, führte einTheil der Krieger Swjatoslaw'seinen Ausfall zu Pferde aus. Dies warder erste und missglückte Versuchcavalleristischer Thätigkeit und die russischen Reiter konnten, da sie andas Keiten auf Pferden nicht gewöhnt waren und sie nicht zu lenkenverstanden, der vortrefflichen griechischen Keiterei nicht Stand haltenund wurden leicht von dieser geworfen und zersprengt. Aber seit derZeit Wladimir'sl. begann die Zahl der berittenen Krieger sich all-mälig zu vermehren, besonders in der Periode der Theilfürsten, bei denunaufhörlichen Zusammenstössen der Russen mit ihren südlichen Nach-barn, den Völkern türkischer Abstammung, und mit den Ungarn, welchezu Pferde fochten. Schon unter Wladimir I. kämpften die Helden sei-ner Druschine, die Befehlshaber und Personen höheren Standes, nichtanders als zu Pferde, und in der Periode der Theilfürsten gab es bereitsbesondere berittene Schaaren, zum grössten Theil von fremden Stämmen(vorzugsweise Polowzern und Ungarn). Bussische Cavallerie gab es An-fangs nur wenig, weil sie kostspielig und mühsam zu unterhalten war.Im Laufe der Zeit aber vermehrte sich ihre Zahl schnell, theils aus Grün-den der Notwendigkeit, theils aus Nachahmung der Mongolen, und baldwar die Reiterei die Haupt-und zahlreichste Truppengattung; das Fuss-volk stand ihr sowohl an Zahl wie an Güte nach, denn es bestand, beider allgemeinen Volksbewaffnung, aus schlecht bewaffneten, unausge-bildeten Städtern und Bauern und wurde hauptsächlich zur Vertheidigungund Belagerung von Städten verwendet.

Hinsichtlich der Bewaffnung der Truppen ist zu bemerken, dass mitdem Erscheinen der ersten Fürsten die Zahl der eisernen und geschmie-deten Waffen zunahm und deren Anwendung allgemeiner wurde. DieseWaffen erhielt man theils auf dem Handelswege von den Franken, ausGriechenland und dem Khalifat, theils als Beute oder durch Plünderung.Bei den ersten russischen Fürsten waren die Krieger, ähnlich wie beiden Deutschen und andern Völkern Nord-Europas , mit Aexten, Beilen,grossen geraden ein- oder zweischneidigen Schwertern, Messern, langenLanzen, Bogen und Pfeilen bewaffnet. Ihre Schutzwaffen bestanden ausPanzerhemden, spitzen Helmen (bei Fürsten und Vornehmen vergoldetund reich verziert) mit Panzernetzen, die über Gesicht und Schultern