". Slawen und slawische Eeiche. 159
Unter der Herrschaft der Mongolen vollzogen sich in der Kriegs-organisation erhebliche Veränderungen. Die Dworjanen und bojarischenKinder bildeten bereits einen zahlreichen Kriegerstand und waren ent-schieden der wichtigste und beste Theil der militärischen Kräfte Kuss-lands. Innere wie äussere Kriege wurden von fürstlichen, städtischenoder Provinzial-Druschinen geführt, deren Vereinigung zu einem GanzenRatj (Heer) genannt wurde, die Krieger Messen Ratniki. In denBürgerkriegen riefen die Fürsten häufig Mongolen herbei, und wenndiese Letzteren Einfälle machten, so bildete sich neben den fürstlichenund Provinzial-Druschinen häufig noch ein allgemeines Volksaufgebot.d. h. Städter und Bauern kamen zum Kriegsdienst herbei, was frühernicht gewesen war. Daher war die numerische Stärke der russischenArmeen in der ersten Hälfte der mongolischen Periode (1243—1353) nichtselten bereits weit bedeutender, als unter den ersten russischen Fürstenund in der Periode der Theilfürsten, sie überstieg jedoch niemals dieZahl von 150,000 Mann.
Die allerkriegerischeste Epoche des alten Russlands war unstreitigdie Periode der ersten russischen Fürsten. Auch in der Periode derTheil-fürsten war Russland, obschon zerrissen und durchwühlt von den inne-ren Kriegen der Fürsten, noch immer ausserordentlich kriegerisch undnicht selten den benachbarten Völkern im Norden, wie im Westen undSüden furchtbar. In diesen beidenPerioden wohnte dem vornehmen und zu-gleich Kriegerstande ein vorzugsweise kriegerischer, ruhmliebender Geistinne, der Kriegerstand und Kriegerberuf war der angesehenste, denn erbrachte Ruhm und Beute und mehr noch, — Macht und Ansehen für dasGanze. Gegen die Einfälle aber der Mongolen zeigte sich Russland ohn-mächtig , und unter dem schweren mongolischen Joche, im Innern vonBürgerkriegen zerrissen, von aussen von Mongolen, Schweden, livoni-scheu Rittern, Litthauern, Polen und Ungarn gedrängt, verlor es, ganzallgemein gesprochen, seinen alten kriegerischen Geist und Charakter.Der Kriegerstand wurde nicht herabgesetzt, er stand aber nicht mehr indemselben Ansehn wie früher. Die Fürsten suchten durch List undknechtisches Verhalten gegen die Mongolen das zu erreichen, was siefrüher durch Waffengewalt und mit grossem Ruhme erlangten, und in denKriegen mit den für sie furchtbaren Mongolen waren sie nur noch daraufbedacht, diese aufzuhalten und abzuwehren, oder als christliche Märtyrerunterzugehn. Nur Nowgorod und Pskow in Nord-Russland, welche ihreunantastbaren Vorrechte, Gesetze und die Liebe zur Freiheit und Unab-hängigkeit bewahrt hatten, und das halitschischer Fürstenthum im süd-westlichen Russland zeigten auf kurze Zeit unter dem tapfern Danielnoch im vollen Glänze und in ganzer Kraft den kriegerischen Geist, denMuth und den Ruhm der vergangenen Zeiten.