158 II- Vorn Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
In den Perioden der Theilfürsten und der Mongolen (1054—1353)entwickelte sich die unter den ersten russischen Fürsten in oben be-zeichneter Weise begonnene, militärische Organisation Russlands all-märig weiter, unter denjenigen Veränderungen, welche Zeit und Um-stände bedingten, wie namentlich die Zersplitterung Russlands in einzelneTheile, die Bürgerkriege ihrer Fürsten, — und schliesslich die mongo-lische Herrschaft.
In der Periode der Theilfürsten wirkte die Zersplitterung Russland'sauch auf dessen Kriegsorganisation zurück. Jeder der Sonderfürstenhatte seine eigene Druschine, seine Bojaren, Pagen u. s. w., ganz wieder Grossfiirst. Zu Ende des 12. Jahrhunderts, seit der Zeit des Gross-fürsten Andreas Bogoljubski (1157 —1167) wurde die fürstliche"Schaar Dworom genannt (von Dwor, fürstl. Hof), die in derselbendienenden Dworjanen (die frühem Pagen und Trabanten). Die Pagender Bojaren hiessen seit dem 12. Jahrhundert boj arische Kinder.Die Zahl der Dworjanen und der bojarischen Kinder nahm allmälig zuund bald bildeten die Einen wie die Andern ein starkes Heerescontingent.An die Stelle der ehemaligen warjagischen Söldner waren Söldnerschaa-ren der Petschenegen, Polowzer, Torker, Berendjäjer, schwarzen Klo-buken , Brodniker und andrer Nomadenstämme aus den Dnjepr- undDon-Niederungen getreten, grösstenteils türkischer Abstammung, undebenso auch Ungarn und Poljaken (Polen). Von den Torken und Berend-jäjern wurden mehrere auf Gebieten angesiedelt, welche ihnen an denGrenzen der Fürstenthümer Tmutarakan. Perejaslawl, Kijew und Tscher-nigow angewiesen waren, und an Stelle von ländlichen Abgaben wurdeihnen die Pflicht auferlegt, die Grenzen zu bewachen und gegen die Ein-fälle der äusseren Feinde zu schützen. Brodniker und schwarze Klobukenwurden Landstreicher verschiedenen Stammes benannt, welche im 12.und 14. Jahrhundert zwischen Don und Wolga nomadisirten und demdienten, der ihnen das meiste Geld bot. Die Fürsten aber des südwest-lichen Russlands, besonders die Halitscher im 13. Jahrhundert, zur Zeitder höchsten Macht und Blüthe des halitschisehen Fürstenthums, nahmenauf Zeit oder unterhielten beständig in ihrem Dienste Druschinen vonPoljaken (Polen), Tschechen und besonders Ungarn.
In Fällen von besondrer Wichtigkeit, bei inneren und äusserenKriegen wurden die fürstlichen Druschinen bisweilen durch eine, je nachUmständen grössere oder geringere Zahl von Städtern oder Bauern ver-stärkt, mit Einwilligung oder Zustimmung der Volks - Reichstage.Aber die Bewaffnung der Städter* trat selten ein, die der Bauern nochseltener, die inneren wie äusseren Kriege wurden vorzugsweise durchdie fürstlichen und durch fremden Stämmen angehörende Söldner-Dru-schinen geführt.