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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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7. Slawen und slawische Reiche. ' 157

gegen nähere und friedliche Stämme weniger, gegen weitere und fremdemehr, gegen Griechenland noch mehr. So z. B. in den Feldzügen gegenGriechenland hatte Askold 8000 Mann, 01 eg bei weitem mehr, Igor beiseinem zweiten Zuge mehr, als bei dem ersten; Swjatoslaw hatte vonden Seinen 10,000 Mann und ausserdem noch Söldner der Wengrier (Un-garn), Petschenegen u. A. zwischen 40 und 50,000 Mann zu gleicher Zeitin Dorostol, Jaroslaw am Bug gegen Boleslaw den Tapfern imJ. 1018 gleichfalls zwischen 50bis60,000Mann. Grössere Truppenzahlenkommen unter den ersten Fürsten nicht vor, und auch später sind unterAndreas Bogoljubski bei der Belagerung von Wischegrad, 1173,nur zwischen 50 und 60,000Mann versammelt. Es muss hierbei bemerktwerden, dass unter den ersten russischen Fürsten in deren Heeren dieSlawen mehr aus freiem Antriebe dienten, und zwar aus der städtischenBevölkerung, die Landbevölkerung dagegen dem Ackerbau nicht entrissenwurde. Und obgleich im Lauf der Zeit die Zahl der Slawen in den Dru-schinen der Fürsten allmälig zunahm, so bildeten dennoch bis zu Wla-dimir die Hauptmacht und den besten Theil derselben die Warjager unddie Söldner fremder Stämme : Ungarn, Petschenegen (später Polowzen).Die fürstlichen Druschinen waren angesessen: in der Hauptstadt beidem Grossfürsten und in den andern Städten und Colonien der unter-stellten Stämme, bei den fürstlichen Statthaltern (Muschei) und Regen-ten, sie wurden von den für diese eingebrachten Abgaben unterhalten,im Kriege von der Beute. Später, als die eingewanderten Warjager sichmit den eingeborenen Slawen zu vermischen begannen, ihre Sitten undGebräuche annahmen, traten auch die vornehmeren Slawen in den Ver-band der fürstlichen Druschinen, unter der slawischen Benennung Bo j a r,hatten ihre bojarischen Druschinen und ihre bojarischen Pagen u. s. w.,und wurden auch zu fürstlichen Statthaltern und Regenten ernannt, mitbürgerlicher und militärischer Gewalt, ihre Söhne aber wurden in dieZahl der fürstlichen Pagen und Trabanten aufgenommen. So begannschon unter Swjatoslaw sich ein russisches Volksheer zu bilden,das unter Wladimir und Jaroslaw sich vollständig entwickelte. Diesebeiden Herrscher erlangten die oberste Gewalt und befestigten sich inderselben noch mit Hülfe gemietheter Warjager-Druschinen, dann aberentliessen sie diese und riefen keine wieder herbei, wegen der Habgierund des unruhigen meuterischen Geistes derselben. Wladimir setzteseine zahlreiche grossfürstliche Druschine vorzüglich aus eingeborenenSlawen und nur zum Theil noch aus slawianisirten und ihm ergebenenWarjagern zusammen. Jaroslaw vollendete dies, und seine Nachfolgerberiefen zwar bisweilen noch, wenn auch immer seltner, warjagischeSöldner, endlich aber erlosch dieser Gebrauch in Russland und damitzugleich der Name der Warjager.