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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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7. Slawen und slawische Reiche. 155

Warjagern, beherrschte Jaropolk allein das ganze russische Land, bisWladimir mit warjagischen Söldnern sich Kijews bemächtigte undJaropolk ermorden Hess (980).

Wladimir (9801015) war der erste souveräne Fürst, ob-gleich noch nicht im vollsten Maasse. Er entfernte die Warjager, da erbereits hinreichend eigene, russische Truppen hatte, trieb Tribute ausnoch entfernteren Gegenden, jenseits der Karpathen und der Wolga ein,gab zuerst seinen 12 Söhnen Fürstenthümer, jedem mit einem Theileseiner zahlreichen Gefährten, Hess sich 988 taufen und vermählte sichmit Anna, der Schwester der griechischen Kaiser Basil und Con-stantin, welche ihn in dem Vorsatze steter Residenz in Kijew, derBeibehaltung der Regierung und Feststellung der Erbfolge auf die Söhnebestärkte. Nun erschien Wladimir als der erste christliche sou-veräneFürst und Herrscher von Russland, das er dem Christen-thume zuführte und wie durch Gewalt der Waffen, so auch durch weise,geschriebene Gesetze organisirte.

Der Sohn desselben, Jaroslaw (10191054) herrschte vollkommenüber alle Fürstenthümer des russischen Landes, aber noch kräftiger, mitgrösserer Abhängigkeit derselben als G r o s s f ü r s t und Monarch von derOstsee bis zu den Karpathen und den Dnjepr-Gebieten und von den Gren-zen Polens bis zur Wolga und dem Uralgebirge, er befestigte das russi-sche Gebiet noch mehr durch Kriegsmacht und besonders durch geschrie-bene Gesetze.

Auf diese Weise hatte im Lauf von 200 Jahren die staatliche Orga-nisation der Länder der Ostslawen im Norden allein, in Nowgorod, be-gonnen, war dann gewachsen, entwickelt und befestigt imSüden, in Kijew, und hiess nun, nach dem alten Volksnamen Russi,auch das ostslawische Reich Russland.

Der Anfang und die allmälige Entwicklung und Ausbildung desrussischen Reiches ist hier in Kürze behandelt behufs besseren Ver-ständnisses seiner militärischen Organisation, welche gleichfalls sichallmälig unter den ersten russischen Fürsten begründet, von demStammvater" Rurik bis zu dessen Ururenkel und fünften Könige nachihm, Jaroslaw, einschliesslich, und nach Jaroslaw bis zum H.Jahr-hundert.

Aus dem oben Gesagten geht hervor, dass das ursprüngliche undhauptsächlichste Band des entstehenden, wachsenden und sich kräftigen-den russischen Staates, der Fürst, in den drei ersten Sprossen (Olegmitgerechnet) ein rein normannisches war, in den drei letzten aber sichbereits slawianisirte. Seine Macht, die das Ganze gemeinsam um-fasste, lag darin, dass er der Vertheidiger, Beschützer und Herr-scher seines Landes war durch das Mittel seiner Genossen (Dru-