154 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
waren. Fünf Jahre danach, 912, starb 0 leg, der den Beinamen d e rWeise erhalten hatte, nachdem er den Norden mit dem Süden, Nowgo-rod mit Kijew verbunden, das Verhältniss der unterworfenen Stämmezum Fürsten und die Höhe der ihm zu zahlenden Abgaben geregelt, dieGrenzen durch Städte gedeckt hatte, und solchergestalt mit Recht alsderjenige bezeichnet werden kann, der dieerstenG rundlagen zueiner staatlichen Organisation bei den östlichen, dem GeschlechteRurik's unterworfenen Slawen gelegt hatte. Und da der Mittelpunktseiner Macht, Kij e w und die Dnjeprgebiete der Ost-Slawen, im Südenden Griechen schon von Alters her, seit dem 9. Jahrb. auch den Arabernunter der allgemeinen Benennung Russi bekannt waren, so wurde auchdas ganze von Rurik's Geschlecht beherrschte Land jetzt Russlandgenannt. Rurik erscheint nun als der Begründer des ersten Verbandesder fünf Stämme im Norden und als Stammvater des fürstlichen Ge-schlechtes, welches dann lange in Russland herrschte. Nach seinem Todeblieb in dem Gebiete der fünf nördlichen Stämme Alles in der früherenVerfassung, mit der Ausnahme, dass diese Stämme bereits unter deralleinigen Gewalt der russischen Fürsten mit dem Süden verbunden warenund Abgaben zahlten.
Nach Oleg's Tode lebte Igor (912—945) beständig in Kijew, nurvon den umwohnenden Stämmen Abgaben erhebend, und führte zweiZüge nach Constantinopel aus, — der eine 941 erfolglos, der andere 944,von dem die Griechen sich loskauften. Igor's Wittwe, Olga, übernahmwährend der Minderjährigkeit ihres Sohnes Swjatoslaw (945—957)die Regierung, bestimmte die gegenseitigen Beziehungen zwischen demFürsten und den unterworfenen Völkern noch genauer, setzte Regle-ments und Steuern im Lande der Drewljanen, Bezirke, Zins undAbgaben im Nowgoroder Gebiete ein u. s. w. Nachdem sie in dieserWeise das russische Land, im Süden wie im Norden, geordnet hatte,ging sie nach Constantinopel, Hess sich daselbst taufen und starb balddarauf (957).
Swjatoslaw (957—972) war ein richtiger normannischer, aberbereits slawianisirter Held. Sein ganzes Leben verbrachte er in mehroder weniger entfernten Kriegen und Feldzügen, erweiterte das russischeGebiet und hätte beinah von Kijew sejnen Sitz jenseits der Donau nachBulgarien verlegt, wie Oleg von Nowgorod nach Kijew übergesiedeltwar. Aber der griechische Kaiser Johann Tzimiskes wehrte ihn abund zwang ihn zum Frieden (971) und auf dem Rückwege wurde Swja-toslaw von den Petschenegen erschlagen (972).
Sein Sohn Jaropolk (972—980) herrschte zuerst in Kijew, dessenBruder Oleg über die Drewljanen, Wladimir zu Nowgorod. Nach derErmordung Oleg's und der Flucht Wladimir's über das Meer zu den