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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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~. Slawen und slawische Reiche. 149

§.53.Kriegswesen.

Eintheilung, Bewaffnung, Organisation, Aufstellung und Kampfartder Truppen und überhaupt das gesammte Kriegswesen der West-Sla-wen machten denselben Gang historischer Entwicklung wie das politischeund öffentliche Wesen durch, indem sie ihren altslawischen Charaktereinbüssten und den abendländischen deutschen annahmen.

So kämpften ursprünglich, bis zum 10. Jahrhundert, die Tschechenbisweilen zu Pferde,, vorzugsweise aber zu Fuss, bewaffnet mit Streit-kolben, Schwertern, Lanzen, Bogen und Pfeilen, die vornehmeren auchmit Helm, Panzer und Schild, und sie hatten Feldzeichen bei den einzel-nen Abtheilungen, besonders geheiligte aber bei den Volksaufgeboten,welche vor dem obersten Wojewoden einhergetragen wurden. Die Elb-Serben (an der oberen Elbe) kämpften mehr zu Pferde, waren mit Wurf-spiessen, Bogen und Pfeilen, Schwert, Lanze und Schild bewaffnet, ihreHauptwaffe aber war ein langes Messer (Dolch). Ihre Anführer warendie hervorragendsten von ihren Fürsten und Herrschern. Sie besassenauch ihre befestigten Städte und Burgen. Bei den Ljechen oder Polenbildeten Bogen und Pfeile die Hauptwaffe, sie fochten hauptsächlich zuPferde und verstanden nicht allein Städte und Schlösser zu erbauen undzu befestigen, sondern sie auch ebenso zu belagern, wie die germanischenund romanischen Völker jener Zeit. Bei den übrigen West-Slawenglichen Truppenorganisation und Heerwesen mehr oder weniger demoben dargestellten, bei den Slawen an der Ostsee ähnelten sie ausserdemnoch den normannischen, da sie ausgebreiteten Handel zur See trieben,vorzügliche Seefahrer waren, eine Flotte besassen und, gleich den Nor-mannen, Kriegsunternehmungen zur See ausführten.

Später, vom 10. Jahrhundert an, nimmt die Organisation des Heeresund das Kriegswesen bei den West-Slawen schon allgemach einen west-lichen, deutschen Charakter an. Damit in Uebereinstimmung wuchs beiihnen mehr und mehr die Zahl der Reiterei und vorzugsweise der feudal-ritterlichen, welche bereits die Hauptkraft und den besten Theil des Hee-res bildete, das Fussvolk hingegen, schlecht bewaffnet und organisirt,wurde mehr oder weniger vernachlässigt, und nur die Bogenschützen (wieoben gesagt wurde) zeichneten sich durch grosse Treffsicherheit aus.Aber es ist bemerkenswerth, dass die Tschechen in der ersten Hälfte des14. Jahrhunderts fast die Ersten waren, welche dem Fussvolk grosseBedeutung und Wichtigkeit beilegten, früher als die gleichzeitigen west-lichen Völker (es wurde oben erwähnt, dass unter König Johann imJ. 1333 bei Glogau in Schlesien 20,000 Mann Fussvolk und nur