150 II- Vom Tode Karls d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
1500 Mann ritterliche Reiterei beisammen waren). Schon nach Art derwestlichen und deutschen Truppen bewaffnet, führten die Tschechen be-reits Wurfmaschinen und waren geschickt in der Befestigung, wie inAngriff und Vertheidigung der Städte und Bargen. Die letzteren bestan-den zum Theil aus Holz, vorzugsweise jedoch aus Stein, in Form runderThurme, sie hatten Ausfallthore und waren mit Wall und Graben um-geben. Nicht allein bei den Adligen, sondern auch bei den Städtern undBauern waren in Böhmen noch nach alter Art kriegerische Uebungen imGebrauch, welche sowohl die Handhabung der Waffen überhaupt, alsbesonders Sicherheit des Schiessens mit Bogen und Pfeilen bezweckten.
In Polen hatte bis zum 14. Jahrhundert sich mehr und mehr die west-europäische Organisation der Truppen und des Heerwesens eingebürgert,die Reiterei war an Zahl vermehrt, namentlich die feudalritterliche, Be-waffnung, Aufstellung und Kampfart der Truppen, wie die Kunst der Be-festigung , Belagerung und Vertheidigung von Städten und Burgen nachwesteuropäischem Muster fand erweiterten Eingang. In Uebereinstim-mung hiermit begann man denn auch in Polen, theils dem Beispiele derNachbarn folgend, theils der eigenen Erfahrung gemäss, mehr Aufmerk-samkeit auf die Vervollkommnung des Fussvolks zu richten, das bis da-hin sehr vernachlässigt worden war. Auf die Befestigung der Städte undBurgen im Innern und besonders an den Grenzen des Reiches wurde unterden besseren Königen eine erhöhte Sorgfalt verwendet. So u. a. wurdenunter der kurzen Regierung Boleslaw's des Kühnen undMjecis-1 a w 's IL über das tscherwonnische Russland und die tscherwenskisehenStädte desselben (1020—1031) dort neue Städte erbaut und die alten neubefestigt. Lwow und Ljubatschew erhielten neue Mauern, die SchlösserPrszemysl, Sanok, Terewol, Halitsch und Tustan Erd- und Holzwälle,und wurden dadurch in besseren Vertheidigungszustand gesetzt. Dergleichfalls mit Verpfählung und Erdwällen geschützten Stadt Wladimirgegenüber auf einem anderen Berge wurde ein Schloss aus Stein auf-geführt und mit einer Besatzung versehen. Wie sie Städte und Burgenzu erbauen und zu befestigen verstanden, so verstanden die Polen auchdie Belagerung der feindlichen, mit allen in West-Europa allgemein ge-bräuchlichen Mitteln, darunter auch Wurfmaschinen, — Katapulten undBailisten. In einer polnischen Chronik vom J. 1252 wird u. a. auch derBallistarier Erwähnung gethan, welche die Ballisten und übrigen Be-lagerungsmaschinen zu bedienen hatten.
Bei den übrigen West-Slawen verloren Heeresorganisation undKriegswesen vom 10. bis zum 14. Jahrhundert allmählich ihren slawischenCharakter und nahmen im Allgemeinen den westeuropäischen, speciellden deutschen an.