144 IL Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
geben konnte. Dann schickten die Dorfbewohner ihre Weiber, Kinder, ihrVieh und ihre Habe in diese Burgen, sie selbst erwarteten den Feind auder Grenze. Zum Schutze der Letzteren waren die Grenzdorfbewohner zubesonderem Grenzkriegs- und Wachtdienste verpflichtet, wofür sie beson-dere Vorrechte und Freiheiten genossen. Sie bildeten solchergestalt eineArt Grenzerheer, oder militärische Colonien, welche sie Grenzer,Ukrainer nannten. Solche Colonien gab es an den Grenzen der Sach-sen, der Polen, der Ungarn und im Gebirge des Böhmerwaldes.
Unter den letzten Przemysl' '1253—1306) hatte sich die frühere-alttschechische öffentliche und Kriegsorganisation bereits fast gänzlichabgeschliffen und einen deutschen Charakter angenommen. Die Kriegs-organisation war indessen eine vollkommen defensive. Wenn ein Feindsich-den Grenzen Böhmens nahte, so rief der König das allgemeineVolksaufgebot auf und bestimmte demselben Sammelpunkt und Tag. Aufdiesen Aufruf war jeder Landbewohner gehalten, mit seinen Unter-gebenen zu Felde zu ziehen und vier Wochen auf seine eigenen Kostenim Dienste zu bleiben, für die über vier Wochen hinausreichende Zeithatte er das Recht, vom Könige Sold und Unterhalt zu fordern. Ausser-halb des Staates war Niemand zu,dienen verbunden, alle äusseren Feld-züge und Kriege wurden auf Kosten des Königs und der Regierung ge-führt. Den eigentlichen Kriegerstand bildete der höchste Adel, der mitseinem zahlreichen Gefolge und mit seinen eigenen Feldzeichen zumKriege auszog.
Als die luxemburgische Dynastie "(13 10) in Böhmen auf den Throngelangte, wurde die Kriegsorganisation hier der französischen sehr ähn-lich. Der erste König Johann (1310—1346) hatte nicht seines Gleichenan Schnelligkeit der Versammlung der Truppen, und um diese Zeit fingman schon in Böhmen an, demFussvolk mehrWerth und Bedeutung bei-zulegen, als in andern Ländern. So hatte Johann 1331 bei Glogau inSchlesien über 20,000 Mann Fussvolk und an Reiterei nur 1500 MannRitter.
Bei den Städte- und Dörferbewohnern Böhmens und Mährens gab esschon seit Alters eine grosse Menge vielfach angewendeter Kriegsübungenjeder Art, sowohl mit Handwaffen, als vorzugsweise mit Fernwaffen(Bogen und Pfeil). Die Städter wurden zur Kriegszeit gleichfalls zumDienste herangezogen. Prag war zu diesem Zwecke in vier Stadttheile zer-legt; von den Bewohnern derselben zogen aus der Altstadt zwei Viertel zuFelde, die anderen zwei Viertel blieben als Besatzung zurück,— die Einenwie die Andern durchs Loos bestimmt. Reiche wie Arme zogen aus. nurwaren sie für die Dauer des Feldzuges von städtischen Abgaben befreit.Jedes Viertel hatte seinen eigenen Anführer (Sotnik, Capitainl. So wur-den im J. 1328 unter Johann aus der Altstadt Prag nach Oesterreich