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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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T. Slawen und slawische Keiche. 143

sich die gemeinsamen altslawischen ab, obschon sie niemals gänzlichverschwanden.

So verlief im Allgemeinen, mehr oder weniger, die Entwicklung deröffentlichen und der Kriegsorganisation bei den West-Slawen und haupt-sächlich bei den Tschechen, Mähren und Polen, und in den beiden mäch-tigsten westslawischen Reichen, Böhmen mit Mähren und Polen.

Böhmen und Mähren waren bis zum 10. Jahrhundert z. B. noch inSchupanien getheilt, deren jede ihre Hauptstadt hatte. In Böhmen gabes an 50 Schupen und ebensoviele Hauptstädte darin, in Mähren dagegenunter Swjätopolk (870894) 11 Schupanien und Städte, darunterDowina an der Mündung der Morava (March) in die Donau. Die Familienund Geschlechter der Schupanien waren verpflichtet zur Zahlung vonKriegsabgaben, Ausführung verschiedener Arten von militärischen Arbei-ten, und im Fall eines Krieges zum Eintritt in den Kriegsdienst alsVolksaufgebot, bei gänzlich eigener Unterhaltung.

Im 10. Jahrhundert begann unter den beidenBoleslaw's (935999in Böhmen und Mähren sich die Castellans-Institution zu entwickelnund zu befestigen, die Schupanien traten unter die Verwaltung der fürst-lichen Castellane, die Hauptstädte oder Burgen (Castellej wurdenResidenz und Sitz der Central Verwaltung der Letzteren. Im Fall einesfeindlichen Einfalles wurden die Volksaufgebote von den Castellanen ein-berufen, von einem jeden in seiner Provinz an dazu von ihm bestimmteOrte. Handelte es sich um einen Krieg nach aussen, so rief der Königöder Fürst gemeinschaftlich mit einer Familien- oder Volksversammlungdas allgemeine Volksaufgebot (den Heerbann) auf. Dann wurden in denHauptstädten oder Burgen die Sammelpunkte für die Bezirksaufgebotenach Schupen bestimmt. In dem böhmischen Prag wurde die sogenannteBlutfahne, die Kriegs-Reichsfahne (vexilla rosea, signa bellica) entfal-tet und aufgepflanzt, und um dieselbe sammelten sich die Contingente,zu 1000, 100 und 10 eingetheilt, unter der Führung ihrer obersten undunteren Heerführer: bei dem Schall der Trompeten und mit dem Rufe:Kyrie eleison (Herr, erbarme Dich!) zogen sie zu Felde. Bei beson-ders wichtigen oder gefahrvollen Gelegenheiten wurde (es kam nur ein-mal, im J. 1126. in dem Kriege gegen Otto IL und die mit ihm verbün-deten Sachsen vor) die heilige Fahne entfaltet, welche einer der vor-nehmsten Adligen, der Kapellan Wit trug, in voller Rüstung, unter demSchutze von 100 vornehmen Tschechen und Kapellanen.

Eine besondere Aufmerksamkeit wendete man in Böhmen und Mäh-ren der Sicherung des Landes durch befestigte Burgen zu. Sie wurdenauf unzugänglichen Punkten, auf hohen und steilen Bergvorsprüngen,oder auf Inseln , oder zwischen 2 Flüssen so erbaut, dass man von dereinen zur andern Allarmsignale im Falle eines feindlichen Angriffs weiter