Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

7. Slawen und slawische Reiche. 141

Ueber die Aufstellung und Kampfart der Süd-Slawen im Felde und inder Schlacht giebt es keine zuverlässigen Nachrichten. Im Allgemeinenwaren es wohl dieselben Hauptzüge, wie sie bei allen Völkern diesesTheiles von Europa zu jener Zeit vorhanden waren, d. h. Action derschweren oder Linientruppen in tiefer und enggeschlossener Aufstellung,der leichten oder Bogenschützen in geöffneter oder zerstreuter Ordnung.

Die innere Organisation der Volkscontingente entsprach dem Wesenihres zur Kriegszeit aus eigenen Mitteln erfolgenden Unterhalts. Deshalbwurde den Contingenten Verpflegung und alles für den Feldzug und KriegErforderliche nachgeführt, darunter sogar Keservewaffen, Belagerungs-Geschütze und Maschinen u. s. w.

Was die militärische Ordnung und den Geist der Volksaufgebote beiden Süd-Slawen anbetrifft, so muss man sagen., dass nach beiden Seitenhin erfreuliche Züge hervortreten. Von ihren besonderen und allgemei-nen, durch Wahl bestellten Aeltesten geführt, waren natürlicherweisediese Aufgebote denselben ganz gehorsam. Da sie hauptsächlich für dieVertheidigung ihres Vaterlandes und ihrer Unabhängigkeit gegen äussereFeinde kämpften, so fochten die Süd-Slawen, welche an diesen beidenBegriffen mit grösster Liebe hingen, auch mit ausserordentlichem Muthund Tapferkeit, Standhaftigkeit und Ausdauer.

Id der Kunst, ihre Wohnungen, Lager, Dörfer, Burgen und Städte zubefestigen, wie in der Vertheidigung, dem Angriff und der Belagerungderselben standen sie den benachbarten Völkern nicht nach und wendetendieselben Mittel an, wie diese und wie überhaupt alle damaligen VölkerEuropas, unzweifelhaft allerdings mit weniger Kunst, als die Griechenjener Zeit, bei welchen diese Kunst ja auch am höchsten entwickelt war.

II. West-Slawen.

§.52.Kriegsorganisation.

Einen anderen Anblick bietet nach Gang und Entwicklung dieKriegsorganisation der West-Slawen. Zu Anfang bewahrte diese langeihre Grundlagen, die alten allgemein slawischen Züge und Fundamenteder Familien-, Geschlechts- und Stammesorganisation. An der Spitzeder Geschlechtsgemeinschaft stand der erwählte, in seinem Geschlechteerbliche Aelteste (Kmet, Glawar, Wladika, Knjäs oder Fürst u. s. w.).Aus dem Geschlechts-Gemeinwesen bildeten sich Bezirke (Wolosti oderOblasti, von dem Worte Wlastj, Macht], und in diesen Dörfer, Ort-