7. Slawen und slawische Eeiche. 139
I. SUd-Slawen.
§. 50.Kriegs-Organisation.
Bei den Süd-Slaven an und jenseits der Donau hatte sich lange Zeitdie altslawische allgemeine und Kriegsorganisation erhalten, auf denfrüheren Grundlagen, dem Familien-, Geschlechts- und Stammeswesen,aber nicht bei Allen in der erforderlichen engen Verbindung mit der Ver-teidigung des Landes. So konnte in dem einen der beiden Reiche, wel-che sich bei den Süd-Slawen unter deren eigenen Fürsten gebildet hatten,— Chorwatien und Serbien — und zwar in dem ersteren, obgleich esBergfestungen zur Vertheidigung des Landes besass, dennoch der polni-sche König Wladislaw I. Hermann (1080—1100) sich leicht undschnell im J. 1091 des Landes und seiner Burgen bemächtigen. Als aber1102 der ungarische König Koloman, um sich in Chorwatien (Kroatien)festzusetzen, mit einem Heere zur Drave zog, stellten sich auf demandern Flussufer 12 chorwatische Schupane (Gespane, Spane, Banus)mit dem Volksaufgebote von 12 Schupen oder Schupanien (Gespa-nen , Bezirken, Kreisen, in welche Chorwatien getheilt war) entgegen.Es kam indessen hier nicht zu einem feindlichen Zusammenstosse zwischenUngarn und Chorwatien, sondern es wurde ein Vertrag geschlossen, nachwelchem die chorwatischen Schupane (später Bane oder Pane) unterleichten Bedingungen als Vasallen Koloman's aufgenommen wurden,darunter die Bedingung der Befreiung der Chorwaten von Landabgaben;nur im Kriegsfalle sollten sich die Schupane dem ungarischen König an-"schliessen, jeder mit 10 gut ausgerüsteten Chorwaten und zwar bis zurDrave auf eigene Kosten, jenseits derselben auf Kosten des Königs.
Dem ähnlich war auch in Serbien wie in Nord-Slawonien die militä-rische Organisation ursprünglich auf Familie, Geschlecht und Stammgegründet. Zur Vertheidigung des Landes (vorzugsweise) und zu Unter-nehmungen nach aussen wurden Volksaufgebote gestellt, nach Familien,Geschlechtern, Bezirken oder Kreisen, unter Anführung ihrer Schu-pane oder Aeltesten. Als in der Folge ihre staatliche Organisation einemehr monarchische Entwicklung gewann, wurden Serbien und Slawonienin Schupane (Gespane) und Banate getheilt. derart, dass jeder Banim Fall eines Krieges 7 Sjädniks (Centurionen, Sotniks, Capitaine) mitje 100 oder mehr Kriegern unter sich hatte. Als sich in der ersten Hälftedes 14. Jahrhunderts das serbische Königreich vollständig entwickelte,traten die vornehmsten Landbesitzer (Adlige) in grosse Abhängigkeit vomKönige (Kral) und seiner Regierung. Auf seinen Ruf mussten sie mit