138 II. Vom Tode-Karl's d; Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
Dacien und Pannonien ein, vernichtete oder unterwarf sich die dort befind-lichen Slawen und Rumänen (d. h. Römer oder Wlachen) und gründeteum das J. 900 auf den Trümmern des einstigen grossen mährischen Rei-ches und des vor der Donau liegenden Bulgariens sein eigenes Reich,welches nicht slawisch blieb, sondern magyarisch wurde unter demNamen Wen grien, oder auf slawisch Ugr ien. Und auch die Magya-ren wandten sich unter dem Einflüsse der Tschechen der westlichen Kirchezu und schlössen sich dem römisch-deutschen Reiche gegen die Süd-Ost-und Ost-Slawen an. Hierdurch wurde die religiöse und politische Tren-nung zwischen Ost- und West-Slawen endgültig vollzogen und befestigt.Die hauptsächlichsten westslawischen Reiche Böhmen, Mähren undPolen, und nach ihnen auch die kleineren an Elbe und Ostsee traten inden Kreis der westeuropäischen Staaten und trennten sich von dem öst-lichen Russland und dem südöstlichen Bulgarien und Serbien. DieseZweispaltung der Slawen wird von einem fortdauernden und keineswegsschwächer werdenden», sondern immer heftiger entbrennenden gegen-seitigen Hass der Völker germanischer und slawischer Abstammung, oderder Deutschen und Slawen begleitet. Dieser Hass führte zu furcht-baren unaufhörlichen Kriegen zwischen ihnen nicht allein in dieserPeriode, sondern auch in den folgenden. Hierbei waren die innerenZwistigkeiten der Slawen, ihre unbegrenzte Liebe zur Freiheit und ihreAbneigung gegen die Unterwerfung unter eine Centralgewalt die Ursachenzu inneren politischen Entzweiungen und zu ihrer Ohnmacht gegen dieDeutschen, welche hauptsächlich durch ihre Concentration unter der ein-heitlichen kirchlichen und politischen Gewalt, und mehr noch durch ihreunersättliche Herrschsucht und durch das Streben nach der Herrschaft imOsten Europa's, wie früher im Süden und Westen des Continents starkwaren. Der gegenseitige Hass der Deutschen und Slawen und der An-drang der Ersteren gegen die Letzteren wurde besonders heftig an denGrenzen zwischen den westslawischen, baltischen, Elb-, böhmischen,polnischen und den ostdeutschen Grenzmarken. In diesem heissen Kampfewar es ein grosses Unglück für die Slawen, dass es ihnen in Folge dereben entwickelten Ursachen nicht gelang, zum Widerstände gegen dieDeutschen ein grosses, dauerhaftes und mächtiges eigenes Reich zu grün-den, sondern dass vielmehr, wie gesagt, alle Versuche in dieser Richtungnur von kurzer Dauer und kurzem Bestand waren.
Nachdem wir auf diese Weise die Hauptzüge der Geschichte derSlawen in dieser Periode gezeichnet haben, wenden wir uns zu denHauptzügen der Kriegsorganisation und zum Standpunkt desKriegswesens,zuerst bei den Süd-Slawen (da sie zuerst in der Geschichte auftreten),dann bei den West-, und schliesslich bei den Ost-Slawen.