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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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7. Slawen und slawische Eeiehe. \ 37

Andern aber vertheilen sich die eingewanderten Begründer bald und ver-schwinden in der ungeheuren Masse des Slawenthuras, nur ihren Namenhinter sich zurücklassend. Bei den südlichen Serben, Chorwaten undzum Theil auch Slowenen begründeten deren eigene Fürsten die wennauch kleinen Reiche.

Die Annahme des Christenthums seitens der Slawen hatte einenausserordentlich wichtigen und entscheidenden, aber in politischer Hin-sicht sehr verschiedenen Einfluss auf die weiteren Schicksale der süd-lichen, westlichen und östlichen Slawen. Der Hauptgrund hierfür lagdarin, dass die Slawen im Süden zum Theil mit dem griechischen, zumTheil mit dem deutschen Reiche, im Westen aber mit dem letzteren alleinangrenzten. Als nun die ersten Keime des Christenthums bei den Sttd-und West-Slawen durch griechische, italienische und deutsche Missionaregelegt wurden, welche der slawischen Sprache unkundig waren, undzwar zu einer Zeit, wo die östliche und westliche christliche Kirche sichmehr und mehr von einander entfremdeten, entfernten und schliesslich umdie Mitte des 9. Jahrhund, sich vollständig trennten, da entwickelten sichaus diesen beiden Ursachen auch zweierlei Folgen. Zunächst waren dieersten Anfänge des Christenthums unter den Süd- und West-Slawengrösstentheils nur schwach , unsicher und ohne Dauer, bis um die Mittedes 9. Jahrhunderts die slawischen Bischöfe und Lehrer Method undCons tantin (im Mönchsgewande Cyrill) anfingen, den christlichenGlauben in slawischer Sprache zu verkünden, und im 9. und 10. Jahr-hundert sich damit unter den Bulgaren und der Mehrzahl der anderenSüd- und West-Slawen die Lehre der östlichen (griechisch-katholischen^Kirche verbreitete. Zweitens aber befestigte sich in Folge dessen beiden Süd-Slawen, namentlich bei Bulgaren und Serben, und später auchbei den ostslawischen Russen der Einfluss der östlichen Kirche und desgriechischen Reiches, oder richtiger gesagt von Byzanz. Die südlichenChorwaten und Slowenen und allmählich dann alle Süd-Slawen geben sichhingegen mehr dem Einfluss der abendländischen Kirche, des römisch-deutschen Reiches. und besonders Roms und der römischen Päbste hin.Die traurige Folge davon war die kirchliche Spaltung und die politischeTrennung zwischen südöstlichen und östlichen Slawen einer-, und süd-westlichen und westlichen Slawen andererseits. Und während die west-lichen Franken und die Deutschen, von der Herrschsucht der Päbste ge-trieben , mit dem Kreuz in der einen und dem Schwert in der anderenHand immer mehr von Westen gegen Osten vordrangen, die West-Slawenbedrängten und sie sich und den Päbsten unterwarfen, begannen ihrer-seits die Wengrier zu drängen. Dieses Volk, desselben Stammes wie dieHunnen und Avaren, es nannte sich selbst Magyaren, wurde aber vonden Slawen Ugrier, Ogrer, Ungarn genannt, drang in das alte