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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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136 II. Vom Tode Karls d. G-r. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

vereinen, nur von kurzer Dauer, oder sie blieben nur erfolglose Versuche.So z. B. fasste noch im 7. Jahrhundert der Fürst Saino oder Samon(627662) mehrere westliche und südliche Stämme, von den Slowenender Alpen an bis zu den Uferbewohnern der Elbe, Oder und Weichselzusammen und bekämpfte erfolgreich die Avaren und Franken. Aber im9. Jahrhundert verband der Fürst Swjätopolk von Mähren (870894)einen grossen Theil der westlichen Slawen zu einem grossen mährischenEeiche, welches unter Swjätopolk den Franken furchtbar wurde, abernur 100 Jahre bestand und dann zerfiel. Dem Beispiele Samon's undSwjätopolk's folgend, bemühten sich tschechische wie polnische Für-sten, Stämme der westlichen Slawen unter ihre Gewalt zu bringen, wiez.B.im 10. Jahrh. die beiden tschechischen Boleslawe, deren Reich sichweit nach Osten bis an die Grenzen Russlands erstreckte. So gab es auchbei den baltischen Slawen mehrere kleine Staaten. Aber alle dieseReiche zerfielen meist mit dem Tode ihrer Gründer. Ein gleiches Schick-sal erlitt auch das bedeutendste und.glänzendste der westlichen slawi-schen Reiche, von dem Nachfolger der tschechischen Boleslawe. dempolnischen Fürsten Boleslaw demTapfern*) gegründet (9921025).Dieser mächtige »slawische König«, »furchtbare Slawe«,»brüllende Löwe«, »giftige Schlange«, wie ihn die damaligenDeutschen nannten, erwählte die tschechische Stadt Prag zum Mittel-punkte seines Reiches und hatte die Absicht, alle westlichen Slawen,Böhmen, Mähren, Slowaken, Elb-Serben, Ljutitschen und Poljanen oderPoljaken (Polen) unter seinem Scepter zu einem Staate zusammenzu-fügen. Unter seinen Streichen fielen die deutschen Heere, zitterte dasrömisch-deutsche Reich und musste dieses sich endlich zu dem Gedankenbequemen, neben sich den mächtigen slawischen Staat zu haben. Aberauch dieser letztere zerfiel nach Boleslaw's des TapfernTode(1025).und die Wiederherstellung desselben gelang dem tschechischen Bra-tschislaw**) (1039) nicht; von diesem Momente an unterliegen dieWest-Slawen mehr und mehr dem Einflüsse der sie heftig bedrängendenDeutschen, welche die Slawen hassten, noch mehr aber von den Letzte-ren gehasst wurden.

Bei dem östlichen Theile der Süd-Slawen und bei allen östlichenSlawen wurden die Reiche nicht durch sie selbst, sondern von Fremdengegründet, bei den Ersteren durch die Bulgaren, ein Volk türkischerAbstammung, das von der Wolga und Kania herkam, bei den Letzte-ren durch die Warjagen (wer sie waren, wird unten erklärt), welche vonjenseits des baltischen Meeres stammten. Bei den Einen wie bei den

*) Auch wohl B. der Kühne genannt. A. d. Uebere.**! Oder Wratislaw. A. d. Uebers.