6. Die Kriege dieser Periode. 1 31
Aber in, der allgemeinen Führung des Krieges seitens der Kreuzfahrermacht sich weder ein geschickt entworfener Plan, noch Einheit, Zu-sammenhang und Richtigkeit der Operationen fühlbar, mit einem Worte,— es fehlt an jeglicher Kriegskunst. Ebenso wenig Geschick zeigten dieKreuzfahrer in der Ausführung regulärer Belagerungen, welche ihnendeswegen immer viele Zeit und Menschen kosteten.
In-vieler Beziehung standen die Sarazenen hoch über ihnen. IhreHeeresorganisation war, entgegen der feudalen, auf Einheitlichkeit inder Zusammensetzung. Führung und in den Operationen gegründet undenthielt alle Bedingungen, welche zur Ausführung und Behauptung vonEroberungen gehören. Dazu kam die den orientalischen Völkern eigeneBeharrlichkeit und ihr Gehorsam. Auch die Bewaffnung und Kampfweiseder Sarazenen waren , im Gegensatz zu der europäischen und feudalen,dem Klima, der Eigenthiimlichkeit des Landes und der Kampfweise derGegner angemessen. Durch die im 1. Kreuzzuge gemachten Erfahrungenaufgeklärt über die Ueberlegenheit der Bitter über sie in der Schlacht,legten sie sich mit Geschick auf den kleinen Krieg, wichen dem Kampfegegen frische Kräfte der Kreuzfahrer aus, umschwärmten dieselben vonallen Seiten, sie stets bedrängend, beunruhigend, und durch einzelneAngriffe wie durch ihre Pfeile von fern her schwächend, durch Hin- undHermärsche ermüdend, ihnen die Mittel zum Unterhalte abschneidend,und nur dann sie ungestüm in geschlossener Masse angreifend, wennJene erschöpft waren und keinen erheblichen Widerstand mehr zu leistenvermochten. Auch in der Leitung des Krieges ist bei den Sarazenenmehr Kunst, als bei den Christen ersichtlich. Die Vertreibung der Letz-teren aus Palästina und Syrien und ihre Vernichtung war das beständigeZiel, auf welches Jene alle ihre Anstrengungen und Operationen mit be-wundernswürdiger Ausdauer, Einheit und Uebereinstimmung richteten,und das sie niemals aus dem Auge verloren, weder irgend welche Son-derinteressen und Beweggründe beachtend, noch gehindert durch diegegen das Ende hin unter ihnen entstehenden Streitigkeiten und Zer-würfnisse. Ja selbst diese Streitigkeiten und Zerwürfnisse waren andrerArt bei ihnen, als bei den Kreuzfahrern. Bei ihnen spalteten sich ganzeVölker oder politische Parteien ab, in dem einen Gefühle des Hassesgegen die Christen waren sie aber alle einig; bei den Kreuzfahrern zer-warfen sich die einzelnen Führer und deren Gefolgschaften, und darüberverloren sie inmitten der privaten Interessen das gemeinsame Hauptzielaus dem Auge.
In der Art der Kriegführung tritt bei den Sarazenen ein Zug.hervor,den sie mit den Völkern des Orients zu allen Zeiten gemein haben, —das Bestreben, den Gegner durch numerische Uebermacht zu bewältigenund zu erdrücken. Dieses Bestreben erwies sich erfolglos im Alterthum
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