130 I. Bis zum Tode KaiTs d. Gr. (814).
artigsten Ursachen des Misserfolges der Kreuzzüge flössen aus ein undderselben Quelle her, aus der Eigenthümlichkeit des Feudalsystems, ausdessen Geiste,- dessen bürgerlicher und kriegerischer Organisation. Mitsolchen Truppen, wie den feudalen, war es sehr schwer, wenn nicht un-möglich Erfolge bei Unternehmungen zu erzielen, welche im allerhöchstenMaasse Einheit und Einigkeit verlangten, — ein Land wie Palästina zuerobern, das von solchen Gegnern wie den Sarazenen vertheidigt wurde,— und das eroberte dauernd zu behaupten.
Von dem Erfolge des nach dem Willen Gottes unternommenenKrieges überzeugt, zogen die unorganisirten Haufen der Kreuzfahrer zurBefreiung des heiligen Landes wie zu einem leichten Unternehmen aus,mit erstaunlicher Sorglosigkeit sich um Nichts bekümmernd, was für dieSicherstellung des Erfolges unerlässlich war.
Nicht nur hatten sie keinen obersten Führer, sondern es herrschteZwietracht und Eigenmächtigkeit bei ihnen im höchsten Grade, sieoperirten ohne Uebereinstimmung, ohne Einheit, ohne gemeinsameZwecke und Zusammenhang, ohne zu Grunde gelegten Plan, fast aufsGerathewohl, nicht selten durch die Umstände hin und her gelenkt, oderdurch private egoistische Triebfedern geleitet. Mehr aber als Alles ist eszum Verwundern, ja fast unbegreiflich, wie so zahlreiche Kreuzheere sicherhalten und verpflegen konnten in einem kleinen, armen und unaufhör-lich verwüsteten Lande. wie sie dies so lange und bei dem gänzlichenMangel an Ordnung in der Art und Weise der Herbeischaffung von Unter-halt vermochten, was bei den Kreuzzügen ja gerade wegen der grossenAnzahl der Krieger und der Entfernung des Kriegsschauplatzes sich umso stärker und schädlicher fühlbar machte. Der Mangel an Verpflegungwar die Ursache, dass die Kreuzfahrer schon auf dem Wege nach Palä-stina in grosser Anzahl Hungers starben oder, gezwungen sich durch Raubund Plünderung zu unterhalten, von den Bewohnern niedergemacht wur-den, sodass sie niemals Palästina in derselben Stärke erreichten, in wel-cher sie ausgezogen waren. Der Misserfolg aller Unternehmungen derKreuzfahrer in Palästina hatte u. a. fast stets auch im Mangel an Unter-halt seine Ursache. Was die«taktische Organisation der Kreuzheere an-belangt , so entsprach weder ihre Bewaffnung. noch ihre Kampfweisedem Klima und der Kampfart der Sarazenen. Gegen den ungestümenStoss der dicht geschlossenen Masse der nebst ihren Rossen in Eisen ge-panzerten Ritter vermochte in der That Nichts standzuhalten, aber nurso lange, bis die Sarazenen, durch Erfahrung gewitzigt, dem Kampfe mitden Rittern auswichen und eine andre Taktik gegen sie annahmen,welche sie fortan mit Erfolg und beständig innehielten. In mehrerenSchlachten dieser Kreuzzüge (besonders bei Dorylaeum und Ascalon) er-kennt man verständige, sogar dem Terrain angepasste Anordnungen.