6. Die Kriege dieser Periode. 129
und Wasser Krankheiten und Sterblichkeit, endlich sogar die Pest aus,welcher Ludwig selbst erlag. Sein Sohn Carl von Anjou übernahm denOberbefehl über das Heer.' Die Mauren wurden in verschiedenen Treffengeschlagen und schlössen endlich einen Waffenstillstand auf 10 Jahreunter für die Christen günstigen Bedingungen. Dann aber, an die Be-freiung von Jerusalem und des heiligen Landes nicht mehr denkend,kehrten die Kreuzfahrer nach Sicilien zurück, wobei sie während derUeberfahrt durch einen Sturm noch 18 Schiffe und 4000 Mann einbüssten.
Mit dem Tode Ludwig's IX. hörten die bedeutenderen Unterneh-mungen zum Zwecke der Befreiung des heiligen Landes auf. Obgleichim J. 127 1 Prinz Eduard von England mit seinem Bruder Edmund,300 Kittern und 500 friesländischen Pilgern sich nach Akkon begab undim Verein mit den Templer- und Johanniterrittern, im Ganzen etwa7000 Mann stark, Nazareth von den Sarazenen reinigte, schloss er dochbald mit Bibars einen Vertrag und kehrte nach England zurück.
Von 1272 an zerfielen die christlichen Reiche in Palästina und Sy-rien mehr und mehr, die Fortdauer ihrer ohnmächtigen Existenz ver-dankten sie lediglich den Einfällen der Mongolen, gegen welche Bibarsalle seine Macht zu kehren gezwungen war, nachdem er den Christeneinen zehnjährigen Waffenstillstand bewilligt hatte. Nach dem TodeBibars' (1275) vollendeten seine Nachfolger die von ihm begonneneVernichtung der Herrschaft der Christen in Palästina und Syrien. DerFall von Tripolis (128S) und der reich bevölkerten, Handel treibendenund reichen Stadt Antiochia (1291), die von Grund aus geschleift,deren christliche Bevölkerung aber niedergehauen wurde, verbreitetensolchen Schreck unter den palästinensischen und syrischen Christen, dassTyrus, Berytus und Sidon freiwillig ihre Thore öffneten. Das war dasEnde des Königreichs Jerusalem und der Kreuzzüge.
§.48.Sohluss.
Das Abendland hatte im Laufe von zwei Jahrhunderten ausserordent-liche Anstrengungen, unermessliche Mittel und an sieben Millionen Men-schen an die Befreiung Jerusalems und des heiligen Landes gesetzt, undfür dies Alles nicht allein sein Ziel nicht erreicht, sondern nicht einmalauch nur eine einzige Stadt in Palästina in seinem Besitz behalten! DiesesResultat erscheint unbegreiflich , wenn man nur auf das Ziel des Unter-nehmens , die darauf verwandte Zeit, Kräfte und Mittel blickt, es istdagegen ganz begreiflich und natürlich, wenn man in die Zusammen-setzung , Beschaffenheit und Organisation dieser Streitkräfte und Mittelund in die Art ihrer Verwendung näheren Einblick thut. Die verschieden-
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 1. 9