128 I- Bis zum Tode Karls d. Gr. (814).
winnen. Aber das vermochte er doch nicht mehr, die zerfallenden christ-lichen Eeiche im Orient wieder herzustellen, oder auch nur deren Verfallabzuwenden. Im J. 1254 kehrte Ludwig nach Frankreich zurück.
So endete der 6. Kreuzzug, der zu Anfang so glänzende Hoffnungenerweckt, aber keine derselben erfüllt hatte. Seinen vollkommenen Miss-erfolg muss man den Fehlern im Entwürfe, der schädlichen Unthätigkeitin Damiette, der Unüberlegtheit des Grafen von Artois in der Schlachtbei Mansurah, dem zu spät angetretenen Kückzuge nach dieser Schlacht,und endlich dem Kleinmuth der Kreuzfahrer zuschreiben.
§.47.
Operationen in Palästina und Syrien (1255—1291) und der 7. undletzte Kreuzzug (1270—1272).
Bis zum J. 1260 war die Lage der Christen von Palästina noch un-gefährdet, weil unter den Sarazenen ebensolche Zerwürfnisse herrschtenwie zwischen ihnen selber. Als aber 1260 der tapfere MameluckenführerB i b a r s sich zum Sultan von Aegypten aufgeschwungen hatte, setztedieser Alles in Bewegung, um sie zu vernichten. Zweimal (1264—1265)verheerte er Palästina, belagerte und eroberte (1266) Saphad, derenEinwohner er niedermachte, eroberte, von einem Feldzuge in Armenienzurückkehrend, Joppe (1267) und nahm Antiochia mit Sturm (1268),welche Stadt er seinen ganzen Grimm und seine Grausamkeit fühlen Hess.Nun verblieb den palästinensischen Christen nur noch Tripolis undAkkon.
Indessen waren alle Anstrengungen des Papstes Clemens IV, umEuropa zu einem neuen Kreuzzuge anzufeuern, vergeblich gewesen.Ludwig IX. allein zog nochmals nach Palästina, begleitet von seinendrei Söhnen und einer Menge französischer, schottischer, englischer undspanischer Edler und Ritter. Im Juni 1270 segelte er von Marseille nachSardinien mit einem Heere, dessen Kräfte sich auf 60,000 wohlgerüsteteKreuzfahrer beliefen. Hier riethen die Einen, man solle sich zuerst gegenBibars wenden, die Andern, t man solle zuvörderst Tunis erobern, einereiche Stadt, welche unter ihrem kriegerischen Herrscher stark uud un-abhängig geworden war. Unglücklicher Weise entschloss Ludwig sichzu Letzterem. Nachdem er, ohne auf erheblichen Widerstand zu stossen(Ende Juli 1270], bei Tunis gelandet war, bezogen die Kreuzfahrer dortein festes Lager und blieben, die Ankunft des Königs von Sicilien miteinem Heere erwartend, lange in Unthätigkeit, zu ihrem Verderben.Der Fürst von Tunis ward dadurch in Stand gesetzt, ein zahlreiches Heerzu sammeln und das Lager der Christen einzuschliessen. In Letzterembrachen infolge der furchtbaren Hitze und des Mangels an Lebensmitteln