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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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6. Die Kriege dieser Periode. 1 23

kam es zu solchem Zerwürfniss zwischen ihnen, dass die Deutschen sichtrennten und nach Jaffa abzogen, von wo sie dann, nach Besiegung dessie angreifenden Malec-Adel, auf die Nachricht von dem Tode Hein-rich 's VI. nach Europa zurückkehrten. Die Christen in Palästina schlös-sen hierauf Frieden mit den Sarazenen.

Im J. 1202 brach ein deutsch-französisches Kreuzfahrerheer (ungefähr30,000 Mann stark), vom Papst Innocenz III. aufgerufen, von Vene-dig nach Dalmatien auf, überwinterte dort unter fortwährenden Streitig-keiten und zog dann im folgenden Jahre (1203), von seinem heiligenGelübde abweichend, zur See nach Constantinopel. um den von seinemBruder Alexius III. Komnenus vom Throne gestossenen IsaacII.Angelus wieder auf den griechischen Thron zu setzen. Constantinopelward zu Lande und zur See angegriffen, Ale xius zur Flucht gezwun-gen und dann Isaac und dessen Sohn Alexius IV. Angelus auf denThron gehoben. Die Letzteren aber wurden bald wieder durch AlexiusV.Ducas Murzuphlus abgesetzt, welcher .selbst den Purpur nahm undConstantinopel stark befestigte (1204). In Folge dessen wurde Constan-tinopel von dem Kreuzheere mit Sturm erobert (am 12. April 1204) undG r a f B a 1 d u i n von Flandern zum griechischen Kaiser gekrönt; ererhielt den vierten Theil des Reiches, dreiviertel desselben wurden zwi-schen Franzosen und Venetianern getheilt.

Dieser Umstand hatte die Kreuzfahrer von ihrem ursprünglichenZiele abgebracht und bewog die palästinensischen Christen, den Friedenmit den Sarazenen sorgfältig zu erhalten.

Im J. 1216 hatte der Pabst Honorius III. sich mit geringem Er-folge bemüht, Europa für die Befreiung des heiligen Landes zu begei-stern; der Sinn für die Kreuzzüge war in Europa nach mehr denn100 Jahren bereits sehr erkaltet. Nur Andreas IL, König von Ungarn,und die Herzöge von Oesterreich und Bayern zogen mit einem Heerenach Palästina. Malec-Adel hatte zu Gunsten seiner Söhne der Regie-rung entsagt und gab ihnen nun den weisen Rath, den Christen keinHeer entgegenzuschicken, sondern ruhig abzuwarten, dass sie in Folgeder Streitigkeiten unter einander ihren Untergang finden würden. In derThat haderten die Christen unter sich, vergeudeten die Zeit und erlittengrosse Verluste, ohne irgend etwas Wichtiges zu vollbringen. Im J. 1219durch neu ankommende Kreuzfahrer verstärkt, wandten sie sich unterFuhrung des Herzogs Leopold von Oesterreich zur See nach Aegypten,belagerten ein ganzes Jahr lang Damiette und endeten schliesslich damit,dass sie es (1220. mit Sturm einnahmen! Dann zogen sie, etwa noch20,000 Mann stark, gegen ein zahlreiches Sarazenenheer, das in denEbenen von Mansurah stand, lagen lange unthätig, kamen durch eineUeberschwemmung des Nil in äusserste Noth und setzten ihren unge-