6. Die Kriege dieser Periode. 119
nan, der König von Jerusalem, und Raimund, Fürst von Tripolis,brachten in dem Thale Sephorim etwa 12,000 Ritter (darunter die vor-nehmsten Ritter von Syrien und Palästina, ebenso alle Ritter des Temp-ler-Ordens und des Ordens St. Johannis von Jerusalem nebst derenLehnsleuten), 20,000 Mann zu Fuss und eine grosse Menge von Leicht-berittenen und Bogenschützen zusammen. Saladdin lagerte mit einemzahlreichen Heere an dem Nordufer des See's Tiberias und suchte durchVerwüstung des Landes die Christen um so rascher zur Schlacht zuzwingen. Raimund von Tripolis und die Verständigeren in Lusig-nan'sHeere riethen, den Kampf mit Saladdin zu vermeiden, nament-lich weil er ihn wünschte und suchte, und warnten, dass man nicht indas ihnen ungünstige Terrain zwischen dem Thale Sephorim und demSee Tiberias rücken, sondern auf der jetzigen Stelle stehen bleiben sollte,wo man Wasser und Lebensmittel in Ueberfluss und hinter sich eine freieRückzugslinie hatte. Gerhard aber, der Grossmeister der Templer,welcher darauf brannte , an den Sarazenen für die ihm früher durch siebeigebrachte Niederlage Rache zu nehmen, wusste den schwachen L u -sign an zu dem Marsche an den See Tiberias und zur Eröffnung desKampfes mit den Sarazenen zu bewegen. Saladdin zog dem Christen-heere entgegen und hatte schon nach halbem Marsche zwischen demThale Sephorim und dem See Tiberias es von allen Seiten so einge-schlossen und durch unablässige Angriffe so erschöpft, dass es kaumnoch Stand zu halten vermochte und von Furcht und Verzweiflung er-griffen vollkommen muthlos wurde. Da man sah, dass nur ein Mittel derRettung übrig blieb, sieh durchzuschlagen, so formirten -die Christendichte geschlossene Massen und rückten so vor. Saladdin aber wichdiesem Kampfe aus und beunruhigte die Christen nur durch fortwährendeAngriffe und ein Ueberschütten mit Pfeilen während des ganzen Marschesbis zum See Tiberias. Von Hitze und Ermattung übermannt, von Durstgeplagt, hatten die Christen schon den See Tiberias in Sicht und hofftenin Tiberias eine Zuflucht und Erholung zu finden. Aber nun fingen dieSarazenen an, sie von allen Seiten zu bedrängen. In der infolge dessensich entspinnenden hartnäckigen und blutigen Schlacht beim See Tiberias(7. Juli 1187) wurde das christliche Heer vollkommen geschlagen. Dergrösste Theil ward aufgerieben, ein andrer, darunter Lu sign an unddie vornehmsten Fürsten und Ritter, geriethen in Gefangenschaft, nureine ganz geringe Zahl entkam nach Tiberias.
Dieser Sieg der Sarazenen versetzte die Christen in solche Bestür-zung, dass sie nirgends mehr Widerstand zu leisten wagten. Binnen3 Monaten hatte Saladdin sich ganz Syriens, und Ende September auchJerusalems bemächtigt, nachdem dies sich 1-1 Tage lang muthig verthei-