6. Die Kriege dieser Periode. 117
§.38.Operationen in Palästina und Syrien (1101—1146).
Der Zeitraum von 1101 — 1146 ist ausgefüllt einerseits von dem un-glücklichen Feldzuge (1101) eines neuen 200,000Mann starken, aus Frank-reich, Deutschland und Italien entsandten Kreuzheeres in Klein-Asien,wo es in einzelnen Theilen von den Sarazenen geschlagen wurde, — undandrerseits durch die mit wechselndem Erfolge geführten Kriege desKönigreichs Jerusalem und der Fürsten von Tiberias, Edessa und Antio-chia gegen die Griechen und unter einander. Im Lauf der Zeit erlangtendie Sarazenen die Oberhand über die Christen und die Kräfte der Letz-teren nahmen mehr und mehr ab. Durch die schliessliche, 1146 erfol-gende Einnahme und Verbrennung von Edessa durch Nureddin, Sul-tan von Mossul, einer der für die Christen heiligsten Städte des Orients,und die Niedermetzelung von über 40,000 Christen in Edessa wurde ganzEuropa aufs Tiefste gedemüthigt und der Anlass zu einem zweiten Kreuz-zuge gegeben.
§. 39.Der 2. Kreuzzug (1147—1149).
Der Papst Eugenius III. und der Abt Bernhard de Clairvauxregten in Frankreich und Deutschland einen neuen Kreuzzug an. Dasdeutsche Kreuzheer, aus 70,000 Rittern, einer grossen Anzahl Fussvolksund leichter Reiterei bestehend, besser bewaffnet als die ersten Kreuz-fahrer und mit dem nöthigen Geräth zur Ausbesserung der Wege und zurAusführung von Brückenbauten ausgerüstet, sammelte sich bei Regens-burg und zog unter der persönlichen Führung des deutschen KaisersConrad III. durch das deutsche Reich, Ungarn und Bulgarien nach-Klein-Asien. Von dem Könige Geysa von Ungarn freundlich empfangenund durchgelassen, litt es viel durch die feindselige Haltung der Griechenund wurde endlich bei Iconium von P a r a m u s, dem Feldherrn des Sul-tans von Iconium, so besiegt, dass nur noch 7000 Mann übrig blieben.
Das französische Kreuzheer sammelte sich im Frühjahr um Metzund zog unter dem persönlichen Befehl des Königs Ludwig VU. vonFrankreich in einer Stärke von 100,000 Mann über Würzburg, Passau undBelgrad nach Constantinopel, hatte von den Griechen weniger zu leiden,setzte nach Klein-Asien über und vereinigte sich bei Mcäa mit denUeberresten des deutschen Kreuzheeres. Im Spätjahre brach Lud-wig VII. auf und durchzog das alte Phrygien, wobei sein Heer mit demWechsel des Klimas und der Witterung und dem Mangel an Unterhaltsehr zu kämpfen hatte.