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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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6. Die Kriege dieser Periode. 115

Chronisten an 100.000 Reiter stark war) die linke Oolonne an und hättesie gesondert beinahe besiegt. Die indessen zur rechten Zeit eintreffenderechte Colorme stellte den Kampf wieder her. Die in Front und Rückenangegriffenen Sarazenen wurden vollkommen geschlagen (bei Doryläum1097) und von den Kreuzfahrern auf grosse Entfernung hin verfolgt.Nachdem sie so den ersten glänzenden Sieg über die Sarazenen erfochten,setzten die Kreuzfahrer den Marsch auf das phrygische Antiochia (Antio-chettefrz.) in einer Kolonne fort, wobei sie durch die glühende Hitze undden Mangel an Lebensmitteln grosse Verluste erlitten und unglaublicheBeschwerden zu erdulden hatten. Von phrygisch Antiochia zogen sie überIconium und Heraclea gegen den Orontes, bemächtigten sich der reichenStadt Artasia, gingen über den Orontes und belagerten syrisch Antiochia,welches eineBesatzung von27,000 Sarazenen hatte. Währenddessen hatteBalduin sich in den Besitz von Tarsus, Adana, Edessa und vieler andrerStädte gesetzt, dehnte seine Macht bis zum Taurus aus und machte sichzum unabhängigen Fürsten von Edessa. Dies war das erste von denKreuzfahrern im Orient gegründete selbständige Reich. Die Belagerungvon Antiochia dauerte den ganzen Winter bis zum Frühling 1098, sie nimmteinen der ersten Plätze unter den zur Zeit der Kreuzzüge ausgeführtenBelagerungen ein. Im Mai näherte sich ein zahlreiches Sarazenenheerzum Entsätze von Antiochia. Es gelang den Christen, vor dem Eintreffendesselben die Stadt zur Uebergabe zu bewegen, allein nun wurden sieselber von den heranrückenden Sarazenen in derselben belagert. Hungerund Krankheiten erschöpften die Kreuzfahrer aufs Aeusserste. Alexan-der Komnenus, der mit einem griechischen Heere ihnen zu Hülfekommen wollte, kehrte um, als er von ihrer verzweifelten Lage hörte,und die Kreuzfahrer wären sich zu ergeben genöthigt gewesen, wenn sienicht, durch Auffindung der heiligen Lanze (wie die Geschichtschreiberangeben), mit welcher die Seite Jesu Christi durchbohrt worden, zumächtiger Begeisterung entflammt einen Ausfall aus der Stadt gemacht,die Sarazenen überfallen und ihnen eine furchtbare Niederlage beige-bracht hätten (28. Juli 1098). Die grosse Sommerhitze, die Erwartungvon Verstärkungen aus Europa, und besonders Zerwürfnisse und Streitig-keiten hielten das Kreuzheer bis zum Anfang des Jahres 1099 in Antio-chia fest. Aber die Verstärkungen trafen nicht ein. die Misshelligkeitennahmen zu, Krankheiten rafften 50,000 Kreuzfahrer dahin. Um die Ge-müther zu beruhigen und nicht unnütz Zeit zu verlieren, führten dieHeerführer einzelne Unternehmungen aus, besiegten Rodvan, denEmir von Aleppo, nahmen das Schloss Hasar und die Stadt Marra ein.Endlich aber, von offner Empörung der Truppen bedroht, waren sie zumAufbruch nach Jerusalem gezwungen.

Anfang des J. 1099 brachen Raimund von Toulouse, Tancred