5. Kriegsorganisation und -Kirnst in West-Europa etc. 105
nach Sonnenuntergang, altem Gebrauch gemäss, einen allgemeinen undentscheidenden Angriff mit allen ihren Kräften auszuführen. Im Falldes Gelingens verfolgten sie den Feind mit Aufgebot aller Kräfte bisaufs Aeusserste; schlug aber der Kampf zu ihren Ungunsten aus, sozeigten sie nicht mehr den alten Muth, Zähigkeit und Ausdauer, sondernzerstreuten sich so, dass es schwer war, sie neu zu organisiren und zuermuthigen.
Zum Schluss ist noch die interessante und wichtige Erfindung zu er-wähnen, welche die Araber, wie es scheint, von den Chinesen entlehnthatten. Als sie ihre Eroberungen in Asien ausdehnten und im 8. und9. Jahrhundert weiter nach Osten vordrangen, traten sie mit den Chi-nesen in Berührung und lernten bei ihnen das Geheimniss der Brand-Substanzen kennen. Diese waren den Chinesen schon im 4. Jahr-hundert v. Chr. bekannt gewesen, zu Kriegszwecken aber hatten siedieselben erst seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. zu gebrauchen begonnen,und das nur einmal; mehr und dauernd erst seit dem Anfang des
11. Jahrhunderts, fast gleichzeitig mit der Einführung der Buchdruckereimit beweglichen Buchstaben bei ihnen. Aber schon im 13. Jahrhundertgab es bei ihnen besondere Geschütze verschiedener Art. zum Schleuderndieser Brandstoffe im Kriege.
Vom 10. bis zum 13. Jahrhundert waren die Araber nicht mehr mitden Chinesen in Berührung gewesen, indessen kannten sie im 13. Jahr-hundert bereits dem Pulver ähnliche Brandstoffe, bis 1225 noch ohne Sal-peter, zwischen 12S5 und 1289 mit Salpeter, und ebenso auch deren An-wendung zu Kriegszwecken unter Benutzung von verschiedenartigenWurfmaschinen und Schiessapparaten, als : innen hohle Kugeln, Cylin-der, Töpfe, Pfeile, Lanzen ü. s. w.
Von ihnen scheint das Geheimniss der entzündlichen Substanzennebst deren Anwendung zu Kriegszwecken auf die Griechen und von danach West-Europa übergegangen zu sein. Die Griechen wurden schonim J. 673 durch Kallinikos. einen Baumeister aus Heliopolis, mitBrandmassen verschiedener und anderer Art, als den bei den Chinesengebräuchlichen, bekannt gemacht. Diese Substanzen wurden von denGriechen auch im Kriege angewendet, seit dem 7. Jahrhundert, undunter dem Namen griechischesFeuer berühmt. Später, im 11. und
12. Jahrhundert, machte Marcus G^'aecus durch sein Buch : Liberignium ad comburendos hostes die Griechen und dann auch dasganze Abendland mit den Brandmassen der Chinesen und Araber, sowiemit deren Anwendung in Gestalt von Raketen und Petarden bekannt.In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann das Buch des Mar-cusGraecus und die Kenntniss der Brandstoffe nebst deren Gebrauchzu Kriegszwecken sich in West-Europa zu verbreiten, und die weitere