104 I- Bis zum Tode Karls d. Gr. (814;.
Die Heere zerfielen bereits in stehende, regelrecht organisirte,schwere und leichte, und in Volksauf gebote (irreguläre) zu Fuss undzu Pferde. Die stehenden Heere waren zusammengesetzt aus türkischen,kaukasischen und anderen fremdländischen Söldnerschaaren, aus zudemselben Zwecke im ganzen Khalifate ausgehobenen Mannschaften,welche regelrecht zum Kriegswesen ausgebildet wurden und eine be-stimmte Reihe von Jahren gedient haben mussten, um wieder entlassenzu werden (wie z B. in Spanien die christlichen Renegaten), und endlichaus Negersclaven. Die Volksaufgebote, nur in Fällen besonderer Wich-tigkeit oder Gefahr einberufen, waren aus allen volljährigen freigebore-nen Männern ohne Ausnahme gebildet. Zu diesem Behufe war dasarabische Reich in Spanien, und wahrscheinlich auch in Asien und Afrikain Militärbezirke getheilt, welchen Validen oder militärische Statt-halter und städtische Verwaltungen vorstanden, deren Oberste Sachib-al-Schatram hiessen. Die Einen wie die Andern waren neben denKadis oder Richtern die höchsten Truppenbefehlshaber unter dem ober-sten Befehle des Khalifen selbst oder seines Veziers (Wesirs) und desChadschib (Kämmerers).
Die stehenden Heere erhielten Sold und Unterhalt von der Regie-rung, die Volksaufgebote dagegen versorgten sich selbst mit Waffen,Lebensmitteln und unterhielten sich überhaupt während der Kriegszeitauf eigene Kosten, wofür sie aber einen Theil der Kriegsbeute empfingen,nachdem i / i davon für den Khalifen und eine ehrenvolle Belohnung(Istifta) für den Feldherrn abgezweigt war.
Den hauptsächlichsten und besten Bestandtheil der Heere bildete dieReiterei, schwere und leichte. Die erstere war bewaffnet wie die christ-lichen Ritter in West-Europa, nur nicht mit einer ebenso vollständigenund schweren Rüstung. Die leichte Reiterei war der alten numidischenähnlich, hauptsächlich mit Bogen und Pfeilen und langen dünnen Wurf-spiessen bewaffnet. Die Pferde beider Arten Reiterei waren von vorzüg-licher Güte, Rüstung und Zaumzeug bei der schweren reich mit Goldund Silber verziert. Die Grenzen des Khalifats waren von einer beson-deren berittenen militärischenColonietruppe geschützt, welche Rabitehhiessen.
Das schwere oder Linien-Fussvolk formirte sich und kämpfte ge-wöhnlich in Phalanxform, oder in langen und tiefen Linien. Das leichteFussvolk hingegen, die Bogenschützen, focht in zerstreuter Ordnung voroder auf den Flanken des schweren Fussvolks und der Reiterei, oderunter die Reiterei gemischt, bisweilen stiegen sie sogar hinter den Reiternauf die Pferde. In der Schlacht zogen es die Araber vor, sich den Tagüber auf der Defensive zu halten, den Gegner durch die Action der leichtenFuss- und Reitertruppen ermüdend und schwächend, zum Abend aber,