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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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5. Kriegsorganisation und -Kunst in West-Europa etc. 101

oder Essig, nicht aber durch Wasser, in welchem sie fortbrannte. Nachdem Zeugniss dieses selben Schriftstellers bestand eine andere Zusammen-setzung des griechischen Feuers aus Naphta, Schwefel, Vitriol undHammelfett, es wurde an den Enden der Pfeile befestigt, um Brände zuerzeugen; und eine dritte Art bestand aus Wachholderharz und einerMischung von Salmiak, zu einem Teig zusammengerührt und erwärmt,bis ein Oel daraus wurde, dem nun noch Pech hinzugesetzt wurde; manbefestigte es auf Platten und Hess diese im Wasser vor dem Winde treiben,wo sie dann Alles in Brand setzen sollten, an das sie unterwegs stiessen(d.h. feindliche Schiffe).

Salpeter, der in diesen Mischungen nicht enthalten war. wurde vonden Arabern seit 1240 etwa als Medicin gebraucht, von 12851295 anaber auch zu Kriegszwecken in Brandsubstanzen, zu welchen sie schonPottasche anzuwenden verstanden. sie läuterten und bereiteten mitderselben verschiedene Arten von Brennstoffen und fabricirten zugleichverschiedene Wurfgeschütze, um diese Substanzen damit fortzuschleudern.

Die Verbreitung des Werkes von M a r c u s G r a e c u s in West-Europaum die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts machte, einstweilen nur erstin der Theorie, die von ihm beschriebenen Brandstoffe und Geschütze zuderen Fortschleudern bekannt, es wurden dadurch mehrere gelehrteMänner mit diesem Gegenstande sich zu beschäftigen und demselbenweiter nachzugehen veranlasst, und dies führte allmählich zu der ganzunrichtiger Weise sogenannten Erfindung des Schiesspulversund in Folge davou zur Einführung des Feuergewehrs und der Ge-schütze in West-Europa um die Mitte des 14. Jahrhunderts.

§.33.Stand der Kriegskunst im Allgemeinen.

Aus der zusammenfassenden Uebersicht all' des oben Gesagten(§§. 2432) kann man im Allgemeinen entnehmen, dass die Kriegskunstin West-Europa zu dieser Zeit sich von ihrer 1. Stufe in der vorhergehen-den Periode bereits auf eine zweite höhere, wenn auch mit der erstennoch ebenso eng zusammenhängende Stufe erhoben hatte, wie dieseihrerseits mit der ihr vorausgegangenen zusammenhing. In der erstenPeriode stand sie überall, mit Ausnahme des byzantinischen Reiches,auf einer äusserst niedrigen und unvollkommenen Stufe, deren Haupt-charakter mit den altgermanischen Einrichtungen, Sitten und Gebräu-chen, allerdings in etwas beeinflusst durch die antik griechisch-römischen,übereinstimmte. In dieser Periode steht sie zwar noch nicht sonderlichhoch, aber doch höher als in der ersten, und indem sie mehr als jene sichan die altgriechisch-römischen Muster in vielen Beziehungen anschliesst,