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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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5. Kriegsorganisation und -Kunst in West-Europa etc. 99

Hauptursache der Desorganisation und der Unordnungen in den Feudal-heeren war die Verschiedenartigkeit ihrer Zusammensetzung und da-neben ihrer Interessen und Triebfedern. Sie waren feurig im Kampfe,aber Missgeschick. Mangel und Beschwerden, besonders das Ausweichendes Gegners vor einem Kampf, zögernde Operationen, der kleine Kriegerkälteten nicht allein ihr Feuer, sondern machten sie verzagt, muthlos,verwirrt. Es versteht sich von selbst, dass die Truppen, welche vontüchtigen und geschickten Feldherren geführt und von diesen im Gehorsamerhalten wurden, eine wenn auch seltene Ausnahme hiervon bildeten.

Im Allgemeinen charakterisiren sich die Feudaltruppen durch An-massung, Eigenmächtigkeit, Zügellosigkeit, Rohheit. Sittenlosigkeit,Grausamkeit und besonders Beute- und Plunderungssucht mehr oderminder, und sind daher mit regulären, wohl disciplinirten Truppen garnicht zu vergleichen. Als Beweis hierfür kann die grosse Anzahl. Ver-schiedenartigkeit und ausserordentliche Strenge, ja Grausamkeit derKriegsgesetze und Verordnungen jener Zeit dienen.

§.31.Fortifikation und Belagerungskunst.

Sie waren beinah ganz auf dem früheren Zustande und Standpunktestehen geblieben und hatten keinerlei erhebliche Veränderung erlebt.Die Städte wurden durch steinerne Mauern und Thürme befestigt, welchemit Zinnen und Schiessscharten versehen, von Gräben mit Zugbrückenumgeben waren. Im Innern vieler Städte, besonders in Italien, lagenBurgen oder Citadellen. Der Belagerer erbaute häufig Circum- oderContravallationslinien, welche durch hölzerne Thürme verstärkt waren.Bei den Belagerungen der Kreuzzüge lagen die Kreuzfahrer der verschie-denen Nationen in getrennten Lagern, welche durch hölzerne Mauernund Pfahlzäune befestigt waren. Die Belagerungsarbeiten wurden inderselben Weise ausgeführt, Kriegsmaschinen und Geschütze ebenso an-gewendet wie früher. In äussersten Fällen wurden bei Belagerungen,namentlich während der Kreuzzüge, grosse hölzerne auf Wagen, Bollenoder Schleifen (Schlitten) transportirbare Thürme angewandt, welche dieStadtmauern und Thürme überhöhten, und mit herabzulassenden Sturm-brücken versehen waren. Nicht selten wurden mit ungeheurer Mühegewaltige zeitraubende Arbeiten, Dämme, Mauern u. s. w. aufgeführt.Hölzerne Sappen- und Minenarbeiten kamen gleichfalls oft zur An-wendung.

ludessen obgleich die Hülfsmittel der Fortification und Polioreetikin West-Europa (Abendland) zu dieser Zeit noch dieselben waren, wiebei den Römern bis zum Untergang des weströmischen Reiches, so stand