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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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98 I- Bis zum Tode Karl's d. Gr. (814).

wurden die Waffen abgenommen, dem Mädchen die Nase abgeschnitten.Wer sich fremde Diener oder Pferde aneignete, wer Andere schimpfte,wurde mit Geldstrafe belegt. Mit stürmender Hand eroberte Städte zuplündern war erlaubt, nicht aber sie anzuzünden, die hierbei vorgefunde-nen Weinfässer durften geleert, nicht aber zerschlagen werden u. s. w.Bemerkenswerth ist auch dies, dass verboten war, Streit mit einemfeindlichen Ritter zu suchen, wenn derselbe ohne Harnisch und auf einemKlepper reitend, d. h. einem Transport-, nicht Streitross in das fremdeLager geritten kam; der Angriff auf einen in voller Rüstung auf seinemSchlachtross (cheval de bataille) reitenden Ritter war überall erlaubt, woes auch sei.

Dies Alles giebt einen Begriff sowohl von den damaligen kriegeri-schen Sitten und Gebräuchen, wie von deren Rohheit und der Grausam-keit der behufs Aufrechthaltung der Ordnung im Heere gebräuchlichenStrafen.

Was den Unterhalt und die Administration der Truppen betrifft, soist aus dem oben über die Feudal- und Militärorganisation Gesagten bereitsersichtlich, dass die Feudal-Vasallen, wenn sie zum Kriege zogen unddie ihnen Unterstellten dazu mit sich nahmen, verpflichtet waren, sichund diese Leute auf ihre eigenen Kosten zu unterhalten und mit allemfür den Feldzug oder Krieg Erforderlichen zu versorgen. Häufig zahltensie ihren Untergebenen nur Geld, indem sie ihnen überliessen, sich selbstzu unterhalten, noch öfter aber scheinen sie ihnen weder Geld nochLebensmittel u. s. w. verabfolgt zu haben, ihnen die Sorge für ihrenUnterhalt ganz allein überlassend, wodurch diese dann unfreiwillig ge-nöthigt waren, von Plünderung zu leben. Und obgleich die Gegenverbotesehr strenge waren, so erlaubte der klägliche Zustand der fürstlichenFinanzen dennoch den Herrschern nicht, die Heere regelmässig zu ver-pflegen. Daher befanden Unterhaltung und Verpflegung derselben sichstets in grosser Verwirrung und Unordnung, der Mangel an Lebens-mitteln gab Anlass zu beständigen Schwierigkeiten und sogar zur Ver-hinderung der Kriegsoperationen, und der Krieg war mit furchtbarenPlünderungen und Verheerungen des Landes verknüpft. In den Feudal-heeren gab es keinerlei kriegerische Rangstufen und Ordnung, und ob-gleich grösstentheils die Fürsten sie selbst befehligten, so war darum dieAnarchie nicht geringer. Der Geist des Haders und der Zwietrachtdurchsetzte und spaltete die hochmüthigen, trotzigen und unruhigen Rit-ter und Adligen unter sich, welche an der Spitze der Feudalschaarenstanden und mit ihnen diese Schaaren selbst. Daher konnte keine Ein-heit und Uebereinstimmung in den Kriegsoperationen, keine einheitliche,von einem gemeinschaftlichen Beweggrund getragene, zu demselben ge-meinschaftlichen Zwecke geleitete Gesinnung vorhanden sein. Die