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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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96 I. Bis zum Tode Karl's d. Gr. (814:.

und hinter diesen auf gleiche Entfernung in einem Gliede deren Reit-knechte.

Die leichte Reiterei und die Schützen eröffneten den Kampf durchwiederholte Angriffe und lebhaftes Beschiessen mit den Bogen- undArmbrüsten unter stetem Wechsel der Glieder. Dann brachen dieRitter vor und attackirten in voller Carriere mit geschlossenem Visir undeingelegter Lanze (la lance en arret). Nun löste der Kampf sich in ebenso viele Einzelgefechte auf (Tirst), wie Ritter auf beiden Seiten waren,und selbst die Befehlshaber und obersten Anführer mischten sich in dasHandgemenge, ohne sich um die Evolutionen und dieAction der Truppenzu kümmern. Nicht selten aber geschah es, dass die tapfersten und ge-schicktesten Ritter, sogar auch die Heerführer ebenbürtige Gegner zumZweikampf herausforderten, und dann Hess, wie bei den Griechen undTrojanern bei der Belagerung von Troja, das übrige Heer vom Kampfeab und wartete der Entscheidung des Zweikampfes und des Sieges.

Waren die tapfersten und besten Ritter des Gegners besiegt, so tratdas Fussvolk in den Kampf ein, das sich übrigens nicht lange gegen dieRitter zu halten vermochte und theils deren Streichen erlag, grösserenTheils aber die Flucht ergriff. Nach erfochtenem Siege campirten dieSieger auf dem Schlachtfelde, die Ritter feierten den Sieg mit Gelagen,ihre Schildknappen und Diener hüteten die Gefangenen, das Fussvolksuchte die eigenen Verwundeten auf, erschlug .die fremden, plünderte dieGefallenen, von einer Verfolgung der Besiegten war keine Rede.

Im Allgemeinen muss man sagen, dass die Ritter, die ritterlicheReiterei in den Kämpfen dieser Zeitperiode den Haupttheil des Gefechtesübernahmen und den Sieg entschieden durch Ueberlegenheit an Zahl, Kör-perkraft und Gewandtheit, Reitkunst, Herrschaft über das Pferd und ihreWaffe, Muth und Tapferkeit. Die leichte Reiterei und die Schützen zu Fussdienten ihnen nur als Hülfsmittel zur Erlangung des Sieges, das Linien-oder schwere Fussvolk aber nahm überhaupt keinen thätigen Antheil amKampfe und verstand nur zu plündern oder beständig zu fliehen. DenSieg entschieden daher vorzugsweise, ja ausschliesslich die physischeKraft, die ritterliche Kunst und die persönliche Tapferkeit der Ritter,nicht aber-die taktische Kunst im engeren Sinne.

Unter den wenigen grossen und regelrechten Schlachten und Feld-zügen jener Zeit verdienen einige Beachtung: die Schlacht bei Hastingszwischen Wilhelm dem Eroberer und dem angelsächsischen KönigHarald im J. 1066; bei Bovines zwischen dem König der FranzosenPhilipp August und dem deutschen Kaiser Otto IV., 1214; die Feld-züge der Kaiser Friedrich I. und IL gegen den lombardischen Städte-bund in Italien, mit den bemerkenswerthen Schlachten bei Lignano oderLegnago, 1176, und bei Cortenuova, 1237; der Zug des Herzogs Karl