6. Kriegsorganisation und -Kunst in West-Europa etc. 95
Kriegsgott und Sehalk — ein verschlagener listiger Mensch — oder nachAndern von Mar oder Mähre, Pferd, und Schalk, das auch den Oberstall-meister , Reiterobersten, nach Art der altrömischen Magister equitum inden Armeen der Dictatoren bedeutete) führten. Nach der Meinung Eini-ger traten Marschalke oder Marschälle zuerst im 10. Jahrhundert inFrankreich auf, als Hugo Capet einige durch Tapferkeit, Heldenthatenund grosse Verdienste besonders hervorragende Ritter durch Ernennungzu Marschällen belohnte (inarechaux) , das zweite höchste Hof- undKriegsamt nächst dem höchsten des Conne table (comes stabuli, wört-lich Stallgraf, d. h. Oberstallmeister und Reiteroberst). Bis zu PhilippAugust nannten sich die Marschälle in Frankreich, wie es scheint, ma-rechaux des camps, und von der Zeit dieses Königs an mare-chaux de France. Ihr erstes Auftreten verdient insofern besondereBeachtung, als ihre Obliegenheiten denen sehr ähnlich waren, welchespäter die General-Quartiermeister hatten und die noch später auf den, General-Stabschef übergingen.
Wie gesagt sorgten sie auch für die Aufstellung der Truppen undHeere zum Kampfe, wobei sie ebenes und offenes Terrain auszuwählensuchten und Acht gaben, dass Sonne und Wind dem Heere im Rückenwaren. Uebrigens wurde Tag und Ort für den Kampf bisweilen durchbeiderseitiges Einverständniss der kriegführenden Parteien bestimmt.Auf dem ausersehenen Kampfplatze stellten sich die Truppen und Heeremeist parallel zum Gegner in Schlachtordnung in einer oder zwei Linienauf. Die Hauptmacht des Fussvolks wurde gewöhnlich ins Centrum oderin die Reserve gestellt, in grosse compakte und ungelenke Massen ge-theilt (wahrscheinlich ebenso wie beim Marsch und im Lager nach Fah-nen, Corps, Nationen, Provinzen u. s. w.) , welche Bataille, Ba-taillone hiessen u. s. w. Bisweilen aber nahm das Fussvolk wegenseines schlechten Zustandes, seiner mangelhaften Ausbildung und Be-schaffenheit überhaupt keinen Theil am Kampfe, sondern wurde nur zumSchutze des Lagers und des Trosses, Wegführung der Verwundeten,Gefangenen u. s. w. verwendet. Die Bogen- und Armbrustschützen, inzwei oder drei geöffneten Gliedern oder in Gitter (en herse, d. h. inschachbrettförmiger Ordnung) formirt, standen entweder vor oder mittenin der allgemeinen Schlachtordnung, oder auch hinter den Berittenen.Die Ritter endlich auf ihren Pferden nahmen, als der beste und Haupt-theil des Heeres, stets den wichtigsten Punkt des Schlachtfeldes ein,wo sie in einer langen und lockeren Linie fochten (en haie et de teilesorte, qu'un chevalier ne servait pas de bouclier ä un autre), damit jederRitter für seinen Einzelkampf vollkommenen Raum und Freiheit derBewegung habe. Hinter der Linie der Ritter' in einer Entfernung von40—50 Schritten standen in derselben Ordnung deren Waffenträger,