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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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94 I- Bis zum Tode Karls d. Gr. (814).

Chroniken keine deutlichen und klaren Angaben über die Einzelheitender Art und Kunst der Kriegführung und Kriegsoperationen enthalten.Sie bieten nur ein rohes, wenn auch reichhaltiges Material für die Ge-schichte der Kriegskunst und für die Kriegsgeschichte jener Zeit, unddas, was uns von ihnen bekannt ist, gehört schon zu den wissenschaft-lichen Bearbeitungen dieses Materials durch die Schriftsteller neuerer undneuester Zeit.

So wissen wir, dass die Regeln der Aufstellung, Marschform undKampfart der Truppen nach Grundlage und Hauptzügen mehr oder weni-ger dieselben waren, in den verschiedenen lokalen und nationalen Einzel-heiten dagegen sehr verschiedenartig. Auf dem Marsche der Armeenoder ihrer Theile folgten diese einander entsprechend der oben angeführ-ten Eintheilung nach Feldzeichen oder Corps, Provinzialcorps u. s. w.unter Führung der Herzöge, Grafen oder der anderen bedeutendstenLehnsherren. Voraus gingen Kundschafter, eclaireurs, bestimmte Leute,welche das Lager aufzuschlagen, es mit Verschanzungen zu befestigen,Quartiere anzuweisen hatten, Alles unter dem Schutze von leichten Trup-pen. Nach diesen kam die Hauptmacht, meist, wenu auch nicht immeroder überall, eingetheilt in eine Avantgarde, Gros und eine zurückgehal-tene Abtheilung. Fahnen und Musik befanden sich in der Mitte ihrerAbtheilungen, die Fahrzeuge und Kriegsmaschinen folgten an der Queuedes Heeres, hinter diesen die Marketender, kleine Handelsleute u. s. w.Das beste Beispiel und Muster dieser Marschordnung der Heere bildet dervon dem deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa im J. 1155 vorseinem Feldzuge in Italien erlassene Befehl über die Marschordnung,Aufstellung im Lager, Bewahrung der kriegerischen Ordnung u. s. w.bei seinem Heere.

Die Marschlager der Truppen und Armeen wurden unter Berück-sichtigung der Oertlichkeiten ausgesucht, und vorzugsweise im offenenebenen Terrain aufgeschlagen, in fruchtbarer Gegend, in der Nähe vonWasser und Wald, denn die Ritter mit ihren Pferden bildeten den Haupt-bestandteil des Heeres. Die Lagerordnung der Theile der Armee wardieselbe, wie deren Reihenfolge in der Marschordnung. Das ganze Lagerwar mit einem Wall mit Graben, Pfahlzaun u. s. w. verschanzt, oderdurch eine Wagenburg umgeben, deren Besatzung und Schutz nachinnen und aussen vorzugsweise die leichte Reiterei und dasFussvolk über-nahm, die Ritter selbst nahmen eigentlich nur in der Schlacht am"Kampfe Theil.

Sämmtliche Anordnungen in Bezug auf Marsch und Lagerung derTruppen im Lager und der Aufstellung zum Kampfe hatten besonderebei den Höchst-Commandirenden befindliche Gehülfen derselben zutreffen, welche den Namen Marschall (Mars-Schalk, von Mars dem