5. Kriegsorganisation und -Kunst in West-Europa etc. 93
Heaume, Armets, Salades) mit Visir und verschiedenem Schmuck (Helm-zieri, Federn u. s. w. geschützt. Runde oder ovale Schilde vervollstän-digten die Schutzrüstung der Ritter. Die Angriffswaffen bestanden ingeraden, langen zweischneidigen Schwertern (espadon), Lanze (lance,Spiess), Streitkolben (massue),. Streitaxt (hache d'armes), Streithammer(marteau d'armes) und Dolch (dague). Zum Fernkampf und bei Belage-rungen bediente man sich der Pfeile und Bogen, seit der Mitte des 5. Jahr-hunderts aber kam die Armbrust 'arcus ballistarius, ballista manualis.arbalete) oder grosse Bogen in Gebrauch, welche mit ausserordentlicherKraft wirkten, und die kleinen mit der Hand zu führenden Bogen wurdennun seltener. Auch das Streit- oder Schlachtross der Ritter (Destriers,grands chevaux) war mit einem Harnisch bedeckt.
Die Waffenträger der Ritter waren weit leichter und einfacher ge-wappnet als die Ritter selbst, — noch leichter die Pferdeknechte derLetzteren.
Das Fussvolk war gewöhnlich sehr einfach, dürftig und schlecht be-waffnet. Diese Bewaffnung bestand in Spiess, Schwert, Axt, Schleuder,Bogen und Pfeil, in der Folge Armbrust, kleiner leichter Blechhaube(Capelline) uud Schild, und zwar einem leichten, aber hohen und breitenSchilde für das schwere, einem kleinen runden für das leichte Fussvolk.Die Bekleidung des Fussvolks bestand in einem kurzen gesteppten Rocke,welcher mit Metallschuppen besetzt oder mit einem Panzerhemde bedecktwar (Juste au corps, Jacquet, WaffenrockU
Die Spiesse waren vorzugsweise bei den Germanen, Scandinaviernund andern Völkern des Nordens, Schwert, Axt und besonders Wurf-geschosse bei den romanisch - germanischen Stämmen in Frankreich,Spanien und Italien in Gebrauch.
§.29.Aufstellung, Marsehform und Kampfart der Heere.
Von der Aufstellung, Marschform und Kampfart der Truppen inSchlacht und Krieg und überhaupt von dem Standpunkt der Kriegskunstund deren verschiedenen Zweigen zu dieser Zeit in West-Europa sinduns keine zuverlässigen ausführlichen Nachrichten überkommen. Indieser Periode allgemeiner Unwissenheit hatte alle Gelehrsamkeit undSchreibekunst sich bei der Geistlichkeit und besonders in den Klösternconcentrirt; Geschichtsschreiber gab es nicht, geschweige denn Kriegs-schriftsteller, aber Chronikenschreiber, geistliche Personen, vor-zugsweise Mönche, welche die Chroniken in Gestalt von Tagebüchernschrieben und alle möglichen Vorkommnisse^ darunter auch Kriegs-ereignisse in dieselben aufnahmen. Selbstverständlich konnten solche