5. Kriegsorganisation und-Kunst in West-Europa etc. 91
trefflichen Cavallerie aus. Andrerseits aber wurde durch das Ritter-thum das eigentliche Volk vom Kriegsberufe und Kriegerstande voll-kommen abgezogen und entfremdet, indem derselbe fast ausschliesslichder Adelsklasse allein zufiel, es gab der rohen Körperkraft das Ueber-gewicht und war, da es den wahren Bedingungen und Forderungen derKriegskunst nicht eigentlich entsprach, der gesunden Entwicklung undden erforderlichen Fortsehritten der letzteren im Wege. In Verbindungmit der früher dargestellten gesammten Feudal-Kriegsverfassung, wares das Ritterthum besonders, welches die Feudalheere zu weiten langewährenden, mühsamen und wichtigen Kriegsunternehmungen, Feldzügenund Kriegen unfähig machte.
§.26.Söldner- und stehende Heere.
Die Notwendigkeit, für diese letzteren Zwecke anders ausgebildeteTruppen zu haben, als die Feudalheere , bewog die Fürsten West-Europas zum Halten von Söldnertruppen, später dann von stehendenHeeren. Die Einen wie die Andern hatten bereits früher existirt, wieoben (in der 1. Abtheilung) angegeben wurde, sowohl unter Karl Mar-teil, wie unter Karl d.Gr., wie bei den Griechen, Arabern und Mauren.In West-Europa kann man die Schaaren Alfred's d. Gr. und Harald's(900—1066) in England, und Kanut's d.Gr. 1016) in Dänemark zu denstehenden Heeren zählen, ebenso die zur Zeit des Letzteren in Deutsch-land unter Kaiser Heinrich I. existirende sogenannte Merseburgi -sehe Legion. Aber dieser Anfang zu stehenden Heeren blieb ohneNachahmung. Als wirklich erstes stehendes Heer ist das anzusehen, mitwelchem Wilhelm, der Normannenherzog, England unterwarf fl066\wobei er den Beinamen der Eroberer, davon trug. Dieses Heer waraus Männern zusammengesetzt, welche aus den verschiedensten Gegen-den Europa's durch die Versprechungen reichen Soldes und Unterhaltesund namentlich reicher Beute unter Wilhelm's Fahnen gelockt waren.Wilhelm's Beispiel ahmte man zuerst in Frankreich, Italien und beson-ders in Deutschland nach, wo unter den Hohenstaufen eine grosseAnzahl von Söldnern Brabancons, Servientes, Solduari u. s. w.) zu Fusseund zu Pferde unter der allgemeinen Bezeichnung Rotte ruptae, rotae)den Herrschern ihre Dienste unter verschiedenen Bedingungen ableisteten.In Frankreich gab es unter Philipp August und dessen NachfolgernMieths- und stehende Heere verschiedener Art und Organisation unterden Benennungen Servientes oder Sergents, Clientes, Satellites. Ribaldioder Ribauds, Pequiquini oder Pequechins u. a. Den Haupttheil abervon Philipp August's Heere bildeten Söldner Soldats, Soudoyers,