5. Kriegsorganisation und -Kunst in West-Europa etc. 89
und 7. die Frei-, nicht Edelgeborenen Krieger, wie Städter,Einzelhofbesitzer u. s. w.
In Frankreich theilte sich Adel und Heer in die Corps oder Feld-zeichen der Pairs. Barone, Chevaliers-bannerets und Bas-chevaliers, —in England in die Lords, Esquires (Ritter) und andere Schaaren (Copy-holders), in Spanien in Granden (ricos hombres), Escuderos und Hidal-gos, — in Italien inPrincipes, Valvasores majores et minores, valvasini,soldati u. s. w.
Nach Versammlung des ganzen Heeres wurde das Reichshauptbanner,Reichspanier (banniere de l'empire) entfaltet, auf welchem in Deutsch-land zuerst ein Engel, später ein doppelköpfiger Adler gemalt oder dar-gestellt war; in Frankreich war das Banner feuerfarben und mit Lilienbesäet (Oriflamme); in England mit dem Bilde des heiligen Georg ge-schmückt; in Italien bestand sie aus verschiedenen geschnitzten Bild-werken, welche auf langen Schäften befestigt und auf einem Wagen(caroccio) gefahren wurden u. s. w. Die Aufbewahrung und Führungdieser Paniere war dem vornehmsten Lehnsherrn im Heere übertragen,die Schutzwache derselben bildete ein besonderes Corps der stärkstenund tapfersten Krieger. Ebenso wie die Könige und die edelsten Vasal-len hatten nun auch noch die Provinzen und Städte ihre eigenen und be-sonderen Feldzeichen (bannieres du Roi, Königliches Banner, Stadtbanneru. s. w.), und die kleineren Abtheilungen Feldzeichen verschiedener Art(Pennons, Fähnchen).
§.25.Bitterthum.
Schon seit Chlodewig's und besonders seit der Karolinger undKarl's d. Gr. Zeit hatte in den kriegerischen höchsten Adelsklassen derromanisch-germanischen Völker sich mehr und mehr die Gewohnheitentwickelt, den Kriegsdienst zu Pferde zu thun, wahrscheinlich wohl ausdem Wunsche entstanden, sich von dem einfachen Krieger zu unter-scheiden und zu den berittenen Waffengenossen des Königs zu gehören,dann auch aus dem Bedürfniss einer zahlreichen Reiterei gegenüber denArabern, Wengriern und andern Völkern, welche hauptsächlich zu Pferdekämpften. Auf diese Weise wurde nach und nach der Stand der Reiter(Eques, Chevalier, Ritter) die ausschliessliche Würde und das Vorrecht desAdels. Dies aber führte allmählich zur Bildung einer besondern Ge-nossen- oder Bruderschaft (Orden) , deren Grundgesetze sein mussten:Erfüllung der Pflichten der Krieger der alten Geleite gegen ihre Anführerund Genossen, Bewahrung von Frömmigkeit, Muth, Ehre und Achtunggegen das weibliche Geschlecht — mit einem Worte — zum Ritte rthuni.