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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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4. Die beruerkenswerthesten Feldzüge dieser Zeit. 79

theils zu Gefangenen gemacht, und von ihrem 30,000 Mann starkenHeere entkamen, nach Angabe der Chronisten, etwa nur 5000 Mann!

Der entscheidende und glänzende Sieg des Narses am Casilinummachte der Herrschaft der Ost-Gothen in Italien gänzlich ein Ende undhatte die Unterwerfung von Süd-Italien unter die Macht der griechischenKaiser, unter dem Namen des griechischen Exarchats, zur Folge (555).

§.23.Die Züge des Kaisers Heraelius gegen die Perser (622628).

Im J. 602 hatte der griechische Feldherr Phocas den byzantini-schen Kaiser Mau Heins vom Throne gestossen und ihn mit seinerganzen Familie hinrichten lassen. Der persische König Chosroes IL.Enkel Chosroes' I. Nushirwan, welcher in Mauricius einen Ver-bündeten und Freund besessen hatte, erklärte dem Thronräuber denKrieg und führte diesen mit solchem Nachdruck und Erfolge, dass erbinnen 13 Jahren Syrien, Palästina, Aegypten, Cyrene und endlich auchganz Klein-Asien erobert hatte. Zehn Jahre lang standen die Perser ineinem Lager an der asiatischen Küste, Constantinopel gegenüber, raubendund plündernd und von dem Reiche Tribut erhebend. Während dessenwurde der Kaiser Phocas seinerseits vom Throne gestürzt, welchen nunHeraelius bestieg, Sohn des Heraelius, Exarchen (Statthalters)von Afrika, ein Mann von seltenen Eigenschaften des Geistes und desHerzens, tapfer und erfahren im Kriegswesen (610). Das Reich befandsich zu dieser Zeit und blieb auch bis zum J. 622 in der schrecklichstenund traurigsten Lage. Von Osten her bedrohten es die Perser, von Nor-den und Westen die Slawen und Avaren, in Constantinopel selbst wütheteStreit und Aufruhr., Hunger und Seuche. Beherrscht von seiner unwür-digen Leidenschaft zu Ausschweifungen, suchte Heraelius währenddieser 12 Jahre mehrmals, aber vergebens, mit Persern, Avaren undSlawen zu den für ihn wie für das Reich schimpflichsten BedingungenFrieden zu schliessen und wollte endlich sogar aus Constantinopel nachCarthago fliehen. Zum Glück aber ermannte er sich, schien gleichsamaus dem Schlafe zu erwachen : der alte Muth, die alte Thatkraft erwachtein ihm, und nachdem er von den Avaren und Slawen den Frieden erkaufthatte, wandte er sieh gegen die Perser und eröffnete gegen sie einenKrieg, welcher durch die Kühnheit, Energie, Schnelligkeit und Geschick-lichkeit seiner Operationen, ebenso wie durch die Wichtigkeit seiner Er-folge in Erstaunen setzte.

Im J. 622 brach Heraelius. mit einem nicht sehr grossen, ausGriechen und andern fremden Miethstrnppen zusammengesetzten Heere,die überlegene griechische Flotte benutzend, zu Schiffe von Constantinopel