78 I. Bis zum Tode Karls d. Gr. (814).
Ufer des Casiliuum ihm gegenüber auf. Lange blieben beide Heere hierin Unthätigkeit stehen. Endlich führte ein besonderer Zufall zurSchlacht. Ein kleines Corps von Narses' Heere nahm einen den Fran-ken nachrückenden Transport weg, zersprengte dessen Bedeckung undverfolgte sie bis zur Brücke, zündete denThurm an und bemächtigte sichder Brücke. Diese war aber für Bucelin äusserst wichtig und so ent rschloss er sich unverzüglich zu ihrer Rückeroberung. Beide Heere stell-ten sich in Schlachtordnung auf. Narses formirte das seine in Phalanx:das ganze Fussvolk im Centrum massirt, vor demselben ein Corps vonauserlesenen Schwerbewaffneten, welche, ihre Schilde hochhaltend, einesogenannte Schildkröte bildeten, hinter ihnen die Bogenschützen undSchleuderer, welche in zerstreuter Ordnung fechten sollten. Die Reitereiwurde auf die Flanken gestellt, welche sich rechts und links an zweiziemlich dichte Gehölze lehnten: hinter letztere stellte Narses verdecktje ein Reitercorps. In demselben Augenblicke, als er sein Heer inSchlachtordnung aufzustellen begann, empörte sich ein bei ihm befind-liches Hülfscorps vonHerulern, weigerte sich am Kampfe theilzunehmen,und zog sich in das hinterwärts gelegene Lager zurück. Aber der An-führer der Heruler überredete sie bald zur Umkehr und sie rückten nunwieder in die Schlachtordnung ein, um den zwischen beiden Linien desFussvolks gebliebenen Raum einzunehmen. Während dessen hatten dieFranken durch zwei Ueberläufer der Heruler erfahren, dass das Heer desNarses sich in Aufruhr und Verwirrung befinde, und beschlossen diesenMoment zu einem sofortigen Angriff zu benutzen. Bucelin theilte seinaus Fussvolk bestehendes Heer in drei Theile. Im Centrum formirte ereinen Keil (per cuneos) von einem Corps auserlesenster Krieger, mit wel-chen er das feindliche Centrum zu durchbrechen gedachte. Die Flankendieses Keils waren durch zwei andere Corps gedeckt, welche halbkreis-förmig aufgestellt waren. Narses aber kam den Franken zuvor undseine leichten Truppen eröffneten den Kampf, indem sie ihre Pfeile ab-schössen und Steine schleuderten. Gleich warfen sich dann die Frankenauf sein Avantgardecorps, welches eine Schildkröte gebildet hatte,drängten es zurück, durchbrachen die beiden Linien des Fussvolks undstürmten schon zu dem dahinter gelegenen Lager hin, als sie plötzlich zuihrem grössten Erstaunen von den wieder vorrückenden Herulern ange-griffen wurden. Inzwischen hatte Narses seine Reiterei von rechts undlinks vorbrechen lassen, führte die hinter den Gehölzen verborgenenReiterabtheilungen um die Gehölze herum und griff die Franken plötzlichin beiden Flanken und im Rücken an. So von allen Seiten umfasst undangegriffen, wurden die Franken nach heftigem und erbittertem Kampfetheils aufgerieben, theils in den Casilinum geworfen, wo sie ertranken,