4. Die bemerkenswerthesten Feldziige dieser Zeit. * 75^
schaft mit der Nachricht zurück, dass Vitiges die Herrschaft über allesGebiet nördlich des Po und die königliche Würde behalten solle. Beli-sar verwarf diese Bedingungen und trat selbst mit Vitiges in Unter-handlungen. Die Folge davon war die Uebergabe Ravenna's an Beli-sar, die Abdankung des Vitiges, die Erwählung eines neuen Königs,Ildibald, an seiner Stelle; Belisar aber fiel von Neuem in Ungnadeund wurde nach Oonstantinopel zurückgerufen (540).
Im J. 541 ward Belisar von Neuem nach dem Orient gegen diePerser geschickt, aber dieser Feldzug war ein unglücklicher: die numeri-sche Schwäche und schlechte Beschaffenheit der Truppen, Krankheitenund Sterblichkeit bei ihnen und eine Menge zusammentreffender ungün-stiger Umstände nöthigten Belisar, ohne Erfolge nach Syrien zurückzu-kehren.
Ebenso erfolglos waren die folgenden Züge B e 1 i s a r 's in Italien von544—547. Das ungeschickte Verhalten der griechischen nach Belisar'sAbgang dort gebliebenen Feldherrn (540) war Schuld daran. dass dieGothen und ihr König T o t i 1 a sehr viel Macht gewannen und sich fastganz Italiens bemächtigten. Der ohne Truppen und sogar ohne Geld da-hin gesendete Belisar warb auf seine Kosten in Thrazien und Illyrien40,000 Mann, organisirte und schulte sie, entsetzte die von den Gothenbelagerte Stadt Otranto und setzte sich in Ravenna fest. Leider aberkonnte er nichts Entscheidendes unternehmen und ebensowenig dem vonTotila belagerten Rom zu Hülfe kommen. Sein Heer, das keinen Solderhielt, lichtete sich durch Desertionen und wurde immer schwächer,Justinian Hess alle Bitten Belisar's um Nachsendung von Verstär-kungen unberücksichtigt, und die immer sich verstärkenden Gothen be-mächtigten sich fast aller Städte Nord-Italiens. Endlich wurde einkleines Truppeneorps zu Belisar's Unterstützung entsendet, welchem ernach Dyrrhachium in Epirus entgegen ging. Nachdem er hier längereZeit verweilt, schickte er einen Theil seiner Truppen durch Nord-lkliengegen Rom, mit dem Rest seiner Streitmacht schiffte er sich ein und wendetesich eben dahin zur See. Vor Rom eingetroffen, machte er einen Angriffauf das verschanzte Lager und die Wälle der Gothen vor der Stadt; dieUnfähigkeit der Unterbefehlshaber, die theils ungeschickte, theils gänz-lich unterlassene Ausführung seiner Befehle waren Schuld, dass dieserAngriff nicht gelang und Rom von Totila eingenommen wurde (546) rwelcher indessen bald nach Nord-Italien abzog, um dies gänzlich zuunterwerfen. Nun bemächtigte sich Belisar Rom's, befestigte es, setztees in guten Vertheidigungsstand und wies einen Angriff des zurückkeh-renden Totila ab. Aber darauf beschränkte sich auch sein ganzerErfolg: Totila nahm fast ganz Italien in Besitz, während Belisarsich nur mit Mühe in Rom behauptete, und endlich (548) nach Constan-