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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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74 I. Bis zum Tode Karls d. Gr. (814).

der Flotte Verbindung haltend, mit denselben Vorsichtsmassregeln und inderselben Ordnung, wie bei dem Marsche gegen Karthago. Nach zwölf-tägiger Einschliessung zu Wasser und zu Lande wurde Neapel eingenom-men, und nun wandte sich Belisar nach Rom. Die Ost-Gothen setztenzu dieser Zeit ihren König Theodatus ab und hoben Vitiges auf denThron, welcher nach Ravenna marschirte, wohin sich auch die gothischenTruppen aus Dalmatien zurückgezogen hatten. B e 1 i s a r zog ohne Wider-stand (December 536) in Rom ein, besserte dessen Festungswerke ausund setzte die Stadt in einen guten Verteidigungszustand, unterwarfganz Süd-Italien, wurde aber bald danach in Rom (Frühjahr 537) vonVitiges belagert, welcher ein Heer von 150,000Mann beisammen hatte.Die glänzende Vertheidigung Roms durch Belisar , der nicht mehr als5000 Mann seiner eigenen Truppen befehligte, welche aber durch bewaff-nete Bürger verstärkt waren, dauerte über ein Jahr und endete damit,dass Vitiges die Belagerung aufhob, von Rom abzog und Rimini bela-gerte (538). Seine geringe Stärke erlaubte Belisar nicht eher etwasEntscheidendes zu unternehmen, bis er nach und nach 7000 Mann Ver-stärkung zugeschickt erhalten hatte. Nun dirigirte er seine Truppen nachRimini, so dass sie die diese Stadt belagernden Gothen einschlössen,worauf Letztere nach Ravenna abzogen. Zerwürfnisse zwischen Belisarund Narses lähmten die Operationen zeitweilig; als aber Narses ab-berufen wurde, erbaute Belisar bei Derstona ein grosses verschanztesLager, schloss die Stadt Fessnlä ein und belagerte die Stadt Auximum,um gegen Ravenna desto freiere Hand zu haben (539). Jetzt erschien inItalien Theodebert, König der Franken. Justinian, der den Kriegin Italien begonnen hatte, schloss einen Vertrag mit den Franken; Viti-ges aber gelang es, sie auf seine Seite zu bringen und 10,000 Mann bur-gundischer Hülfstruppen von ihnen zu erhalten. Theodebert, dem dieGelegenheit günstig schien, die Eroberung von Italien auszuführen, zogmit einem Heere von 100,000 Mann über die Alpen, bemächtigte sichLiguriens, zerstörte Genua und begann Feindseligkeiten gegen die Go-then, wie gegenBelisar, indem er 2Truppencorps des Letzteren schlug.Belisar war bei der Schwäche seiner Streitmacht hierdurch von grosserGefahr bedroht. Zum Glück für ihn bewogen seine erfolgreichen Vor-stellungen bei Theodebert, eine Seuche und Mangel an Lebensmittelnden König der Franken zum Abzüge aus Italien. Nun setzte Belisarsich in Besitz der Städte Fessulä und Auximum und sendete seine Haupt-macht gegen Ravenna, um durch die Einnahme dieser Stadt dem Kriegeund der Herrschaft der Gothen ein Ende zu machen. Er schloss Ravennaein, schnitt der Stadt das Wasser ab, brachte die darin befindlichen Go-then in die schwierigste Lage und erwartete deren baldige Uebergabe.Da kehrte eine von Vitiges nach Constantinopel entsendete Gesandt-