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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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3. Das byzantin. Reich, die Slawen, Perser, Araber und Türken. 65

Deshalb war auch bei den Slawen , wie bei den Germanen und denVölkern des Ostens und des Nordens zu jener Zeit und überhaupt beiallen Urvölkern jeder Zeit, mit ihrer öffentlichen zugleich ihre Kriegs-organisation aufs Engste verbunden. Aus lauter Freien bestehend, beidenen es keine Sclaven gab, ausser vorübergehend und auf gewisse Zeit-dauer Kriegsgefangene, waren sie sämmtlich Krieger, die Worte V o 1 kund Heer bedeuteten auch bei ihnen ein und dasselbe. Im Kriegsfällewar jeder volljährige Jüngling ein Krieger, verpflichtet die Waffen zutragen und zu Felde zu ziehen unter Führung der Aeltesten oder Häupterder Familie, des Geschlechtes u. s. w. Auf diese Weise verband auchbei den Slawen, wie bei den Germanen und anderen Völkerschaften, dieallgemeineHeeresp flicht sich mit dem allgemeinen Rechte,Waffen zu tragen und die Wohnungen durch geschicktewenn auch höchst einfache Verschanzungen zu schützen,unabhängig von deren Sicherung durch die örtlichen Hindernisse, aus-gedehnte Wälder, Sümpfe, Berge oder Flüsse, von welchen damals dasTerritorium der Slawen bedeckt und durchzogen war.

Familien-, Geschlechts-, später Stammes- und Volksversammlungen(Reichstage) entschieden, je nach der grösseren oder geringeren Wich-tigkeit des Kriegsunternehmens oder Bedrohlichkeit der Umstände,wer und wie viele zum Kriege ziehen mussten. So bildeten sichgrössere oder kleinere Kriegsschaaren, welche unter der Führungihrer Familien-, Geschlechts-u. s. w. Aeltesten (Starosten, Wladiken,Glawaren, Knieten, Hospodare, Gespane, Woiwoden, Knjäse oder Für-sten, letztere im Sinne von Ersten, erste Stelle Einnehmen-den*) u. s. w.i zum Kriege auszogen. Die Vereinigung mehrerer solcherKriegsschaaren bildete ein Volksaufgebot von grösserer oder geringererStärke unter dem Befehle eines von Allen erwählten Woiwoden (Heer-führers). Die letzte, in grösserem Maassstabe auftretende Form dieserAufgebote, bei Gelegenheit eines allgemeinen Offensiv- und vorzugsweiseDefensiv-Kriegsunternehmens, war das allgemeine Volksaufgebot,Mann für Mann , unter Anführung eines gemeinsamen obersten erwähl-ten Führers oder Woiwoden.

Das Vorhandensein dieser Kriegsorganisation bei den Slawen be-zeugen die Geschichte und die zeitgenössischen Geschichtsschreiber desAbendlandes, des Morgenlandes (arabische) und des Südens (griechische).Sie bestätigen auch, dass mit der hauptsächlichsten Führung des Ver-theidigungskrieges bei den Slawen, namentlich den westlichen, das Be-streben Hand in Hand ging, ihre Wohnungen, die kleinen wie diegrossen, in geschickter Weise zu befestigen. So zählte man bei den

*) Im engl, »first«. A. d. Uebers.

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 1.