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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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2. Kriege dieser Periode. 51

seiner Söhne Karl, Ludwig undPipin gegen die spanischen Mauren,die westlichen Slawen und Normannen, sowie durch Kriegsthaten imadriatischen Meere gegen die griechische Flotte um den streitigen Besitzvon Venedig und Dalmatien ausgefüllt.

Ueherblicken wir die Kriege Karl's d. Gr., so muss man, die ge-waltigen und glänzenden Erfolge derselben bewundernd, diese zugleichder hohen kriegerischen Begabung und Kunst Karl's d. Gr. zuschreiben.Viele Schriftsteller, an ihrer Spitze Gibbon. zollenKarl d. Gr. gerechteBewunderung als Monarchen und Gesetzgeber, wollen ihm aber denRuhm eines geschickten und grossen Feldherrn nicht zuerkennen.»Mit alten, erfahrenen und gut disciplinirten Truppen«, sagen sie, »führteKarl, die Mauren vielleicht ausgenommen, nur gegen rohe und halbwildeVölker Kriege. Nicht einmal stand er einem an Zahl, Bewaffnung undKriegsorganisation gleichen Gegner gegenüber. In den Kriegen Karl'sfindet sich keine einzige geschickt geleitete Schlacht, nicht eine kunst-gerechte Belagerung. Aus vielen Fällen ist nicht ersichtlich, dass erirgend welchen weiteren Blick und Vorausberechnung besessen, seineErfolge sind lediglich dem blinden Zufall zuzuschreiben. Die stets vor-handene numerische Uebermacht, seine verhältnissmässig bessere Be-waffnung und Kriegsorganisation, hauptsächlich aber die Einheit undKraft der in seiner Person concentrirten Gewalt des unumschränktenMonarchen und Feldherrn sicherten ihm immer und leicht die bedeutendeUeberlegenheit über den Gegner. « Diese Urtheile sind theilweise berech-tigt, zum grössten Theil aber nicht frei von Uebertreibung und Parteilich-keit. In der That befand sich die Kriegsorganisation der Franken unterKarl d. Gr. in besserer Ordnung und Vollkommenheit als bei seinenVorgängern, aber andererseits stand die Kriegskunst bei den Frankenauf einer niedrigen Stufe, sie konnte zur Erlangung der Erfolge, wifi siediese über Sachsen und andere ähnliche Völker davontrugen, nur wenighelfen. Urtheilt man unbefangen, so muss man diese Erfolge, abgesehenvon verschiedenen anderen Ursachen, doch vorzugsweise der unglaublichenkriegerischen Thätigkeit Karl's d. Gr., der Kunst, mit welcher er dieKräfte seiner Gegner zu theilen verstand, der Schnelligkeit und Ent-schiedenheit zuschreiben, mit welcher er operirte und den Operationender Gegner zuvorkam. In seinen Zügen nach Italien, Spanien, Baiern.gegen die Sachsen und Avaren ist dieTheilung seiner Macht bemerkens-werth, ebenso wie deren Verwendung in solcher Richtung, dass der Feinddadurch eingeschlossen und ein Widerstand ihm unmöglich gemachtwurde. Die Schnelligkeit bewundernd, mit welcher Karl d. Gr. ohneAufenthalt vom Rhein nach Italien und zurück zum Rhein, von da nachSpanien und zur unteren Donau eilte, muss man annehmen, dass seineTruppen, wenn auch taktisch nicht besonders ausgebildet, doch eine

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